Tausend Geschichten

Wolfgang Schoch

Ann-Christin Neuenstein über soziale Nachhaltigkeit

Ann-Christin ist eine nachhaltige Unternehmensberaterin. Dabei hat sie sich auf die soziale Nachhaltigkeit spezialisiert.

16.05.2022 55 min

Ann-Christin ist eine nachhaltige Unternehmensberaterin. Dabei hat sie sich auf die soziale Nachhaltigkeit spezialisiert.

Bei Nachhaltigkeit im Unternehmenskontext denkt man vielleicht zuerst an ökologische Aspekte. Solche Dinge wie Dienstreisen mit der Bahn statt mit dem Flugzeug oder der Verzicht auf ausgedruckte Emails, um Papier zu sparen. Doch dies ist nur eine Säule von Nachhaltigkeit.

Im Gespräch unterhalten wir uns darüber, wie Ann-Christin ihren Job in der Industrie aufgeben hat, um sich als nachhaltige Unternehmensberaterin selbständig zu machen, was Nachhaltigkeit im Allgemeinen und soziale Nachhaltigkeit im Speziellen eigentlich ist und was wir im Alltag tun können, um ein kleines bisschen nachhaltiger zu leben.
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Host & Produktion: Wolfgang Schoch
Gästin dieser Folge: Ann-Christin Neuenstein

Transkript

Die Episode zum nachlesen.

Hallo bei tausend Geschichten. Ich bin Wolfgang Schoch und in der heutigen Folge unterhalte ich mich mit Ann-Christin Neuenstein. Ann-Christin ist eine nachhaltige Unternehmensberaterin. Dabei hat sie sich auf soziale Nachhaltigkeit spezialisiert. Bei Nachhaltigkeit im Unternehmenskontext dachte ich zuerst an ökologischer Aspekt, Solche Dinge wie Dienstreisen mit der Bahn, statt im Flugzeug oder der Verzicht auf ausgedruckte E-Mails, um Papier zu sparen. Doch dies ist nur eine Säule von Nachhaltigkeit. Eine andere Säule ist die soziale Nachhaltigkeit. Hier geht es darum, wertschätzend mit Menschen in einem Unternehmen umzugehen. Im Gespräch unterhalten wir uns darüber, Ann-Christin ihren Job in der Industrie aufgegeben hat, um sich als nachhaltige Unternehmensberaterin selbstständig zu machen, was Nachhaltigkeit im Allgemeinen und soziale Nachhaltigkeit im Speziellen eigentlich ist und was wir im Alltag tun können ein kleines bisschen nachhaltiger zu leben. Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß mit dem Gespräch mit Ann-Christin. Hallo Ann-Christin. Schön, dass du dir die Zeit nimmst, mit mir heute mal über Nachhaltigkeit zu diskutieren. Wie geht's dir denn? 
Ann-Christin Neuenstein
00:01:16
Ja hallo, ich freue mich auch sehr, hier zu sein. Mir geht's gut. Ich freue mich mega auf unser Gespräch. Und auf deine Fragen. 
Wolfgang Schoch
00:01:25
Ja, ich freue mich auch drauf. Vielleicht mal so eine kleine Frage zum Einstieg. Wir unterhalten uns heute remote über das Internet und sind jetzt nicht irgendwie mit dem Auto durch die Republik gefahren. Ist das schon eine richtig nachhaltige Sache? 
Ann-Christin Neuenstein
00:01:37
Das kommt drauf an. Also grundsätzlich sind wir natürlich jetzt erstmal nicht allzu schlecht unterwegs. Ähm die Frage ist natürlich an der Stelle, welche Kapazitäten verbrauchen wir jetzt hier durch unser digitales Treffen. Aber sicherlich besser als Autofahren da würde ich schon zustimmen. 
Wolfgang Schoch
00:01:55
Okay, dann bin ich schon mal richtig beruhigt hier. Dann habe ich schon mal alles richtig gemacht bis zu dem Zeitpunkt. Ann-Christin, ähm mich interessiert natürlich brennend, was Nachhaltigkeit ist, denn ich habe es in der Wikipedia durchgelesen, ich hab's in den letzten Jahren oft auf irgendwelchen Firmenwebsites gesehen, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Ding sein muss, weil jeder braucht Nachhaltigkeit und es wird viel dafür geworben Für mich ist nicht so hundert Prozent sicher, was Nachhaltigkeit eigentlich ist Aber bevor wir uns darüber unterhalten und bevor du mir hoffentlich gleich mal erklärst, was das ist, würde mich erstmal noch eine andere Sache interessieren. Was machst du denn eigentlich beruflich und wie bist du denn eigentlich mit dem Thema Nachhaltigkeit in Berührung gekommen? 
Ann-Christin Neuenstein
00:02:37
Das klingt nach einer schönen ersten Einstiegsfrage. Ja, ich bin selbstständig seit anderthalb Jahren mit dem Thema, der Nachhaltigkeit quasi. Ich bin nachhaltige Unternehmensberaterin und Speakerin und kümmere mich da bei dem ganzen Thema Nachhaltigkeit, wie du gerade schon gesagt hast, ist es ja ein sehr großes Feld um das Thema der sozialen Nachhaltigkeit. 
Wolfgang Schoch
00:03:00
Soziale Nachhaltigkeit, das heißt, du differenzierst jetzt schon mit dem ganzen Bereich Nachhaltigkeit, was gibt's denn da sonst noch neben einer sozialen Nachhaltigkeit? 
Ann-Christin Neuenstein
00:03:09
Genau, das ist eigentlich klassisch, dass drei Säulen-Modell, ursprünglich vielleicht zum Einstieg, dort ist es ja gerade auch schon mal angesprochen, woher kommt Nachhaltigkeit eigentlich aus der Forstwirtschaft und dabei geht es darum, dass. Nicht mehr Ressourcen verwendet werden oder benutzt werden, als es sie. Vorhanden gibt sozusagen, also die endlichen Ressourcen, dass man damit nachhaltig wirtschaftet sozusagen und da in diesem Zuge ist das Ganze aus also weiter, Ausgebildet worden und ähm diese drei Säulen sind halt eben das Soziale, Das ökologische und das ökonomische. Das ist alles nicht so ganz trennscharf, deswegen macht es das auch so schwer mit dem ganzen Thema Nachhaltigkeit und was ist das jetzt, Eigentlich, also du bist sicherlich nicht der Einzige oder der Erste, von dem ich das jetzt höre. 
Wolfgang Schoch
00:03:59
Ja und ich glaube, wenn das einfach solche Begriffe gibt, die oftmals auch ein bisschen schwammig vielleicht verwendet werden. Ich glaube, wenn du jetzt eine ein Unternehmensberaterin bist, die sich mit diesem Bereich auch wirklich beschäftigt und da auskennt und da halt auch Leute berät, hast du sicherlich eine ganz andere Sicht drauf wie jetzt vielleicht jemand aus der Marketing-Abteilung jetzt den Job hat, hey, wir müssen nachhaltiger werden, kannst du das vielleicht irgendwie mal so bisschen aufbereiten, dass es vielleicht gut aussieht, Deswegen finde ich's schön, mich heute mal mit einer Expertin zu unterhalten, die eben mehr Wissen mitbringt, als ich in der Wikipedia nachschlagen kann. 
Ann-Christin Neuenstein
00:04:31
Ja, super cool. 
Wolfgang Schoch
00:04:33
Ich fand übrigens gerade so diese Herleitung echt cool, dass die Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft kommt. Denn ich habe in meiner Jugend relativ viele Computerspiele gespielt Und da gab's auch immer solche Strategie-Spiele, wo es darum ging, solche Ressourcen irgendwo zu managen, also Wälder aufzuforsten, die Wälder dann abzuholzen. Also ich erinnere mich noch an viele, viele verschwendete Zeit äh vorm Computer, wo ich die Siedler gespielt habe In dem Spiel machst du ja genau sowas. Du hast Wälder und kannst die abholzen und mit dem Holz baust du dann irgendwelche Hütten und äh ja hast einen kompletten Wirtschaftskreislauf. Ähm. 
Ann-Christin Neuenstein
00:05:08
Cool. Eigentlich ist es dann auch schon eine perfekte Kreislaufwirtschaft. 
Wolfgang Schoch
00:05:12
Ja, also eigentlich bin die Nachhaltigkeitsexperte, oder? Weil ich früher so viel gespielt habe. Okay äh und dann sagt noch immer jemand das Computerspiele vergeudete Zeit sind. 
Ann-Christin Neuenstein
00:05:22
Nee, das äh glaube ich auch nicht. Also da gibt's genug Gründe, weswegen man Computerspiele zocken könnte. 
Wolfgang Schoch
00:05:29
Okay, okay. 
Ann-Christin Neuenstein
00:05:31
Auch wenn ich's selber nicht tue, aber ich kenne viele, die's dies machen und von daher. 
Wolfgang Schoch
00:05:37
Perfekt. Wenn du jetzt äh Unternehmen nachhaltig berätst, dann geht's dir wahrscheinlich nicht darum, dass deine Beratung so gut und nachhaltig ist, dass das Unternehmen nie wieder eine Beratung braucht Weil ist schon von der Ann-Christin so erfolgreich war, sondern du berätst ja die Kunden im Bereich Nachhaltigkeit. Wie kann ich mir das vorstellen? Also was für Unternehmen sind denn, dass die zu dir kommen? Sind das spezielle Branchen oder ist das so ein Querschnitt? 
Ann-Christin Neuenstein
00:06:03
Also tatsächlich ist es schon ein Querschnitt ähm. Da kann man eigentlich gar oder da kann ich jetzt eigentlich gar nicht spezifisch sagen, es ist nur die Branche oder nur die Branche. Hm ich glaube das Wichtige, was du sagtest, ist natürlich nicht, dass man nicht mit der Vorstellung zu mir kommt, ah sie berät uns jetzt einmal und danach sind wir nachhaltig, dann werden wir wahrscheinlich eher beim Greenwashing, sondern es geht wirklich darum, die Themen, die ein Unternehmen beschäftigt, nachhaltig zu betrachten. Mir ist dabei vor allem der Mensch im Unternehmen ausschlaggebender, oder wichtig, weil ich glaube, dass viele Unternehmen in dem Laufe der Zeit im Laufe der letzten Jahrzehnte ein wenig vergessen haben, wer denn in einem Unternehmen so die Arbeit leistet, Projekte sind meiner Meinung nach oder meiner These nach nur dann erfolgreich, wenn die Menschen halt in dem Team sich wohlfühlen und entsprechend, gesehen werden und wertgeschätzt werden und ich glaube, da gibt es um einiges aufzuholen und darum kümmere ich mich hauptsächlich in meinen Projekten. Das heißt, ich fange nicht an, die CO2. Formeln ähm auf den Tisch zu hauen oder zu sagen, ja hier ist eure Balance sheet, wir müssen mal schauen, wie wir da. Irgendwie Geld einsparen könnten. Also ich bin jetzt keine klassische Unternehmensberaterin wie man's vielleicht vom Begrifflichen her kennt. 
Wolfgang Schoch
00:07:28
Ja Finde ich aber super interessant, weil also was du da sagst, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen sollte und dass der Mensch sich gut und wohlfühlen sollte, um eine gute Arbeit zu leisten. Da bin ich hundertprozentig bei ihr. Ich bin auch froh, dass ich in einem Unternehmen arbeite, wo dieser Wert auch sehr, sehr hoch aufgehangen ist. Also wir sagen bei uns in der Firma auch, die Leute zufrieden sind, dann leisten die gute Arbeit, wenn die gute Arbeit leisten, dann zahlt der Kunde viel Geld dafür und wenn wir viel Geld verdienen, dann können wir den äh Mitarbeiterinnen auch viel Geld bezahlen und mal eine Party feiern und äh dann ist das auch ein schöner Kreislauf irgendwo und Wir betrachten bei uns die Mitarbeiterinnen auch nicht als äh Ressourcen. Ganz, ganz, ganz schlimm finde, wir haben bei uns vor einigen Jahren, also das hieß früher bei uns auch in die Human Resources einigen Jahren wurde das dann umbenannt in People and Culture und das fand ich richtig, richtig, richtig toll, weil da diese Wertschätzung drin ist. 
Ann-Christin Neuenstein
00:08:21
Total People and Culture klingt auch nach ganz was anderem wie du schon sagst als eine Ressource, die ich anzapfe und irgendwann ist die Ressource halt aufgebraucht. Ähm das. Ja Wäre schön, wenn noch mehr Unternehmen mit dieser Kultur oder mit dieser Vision auch auf dem Markt agieren würden und wie du sagtest, das Ökonomische kommt dann ganz von alleine. Also davon bin ich auch fest überzeugt, dass es für viele, glaube ich, grade auch für viele Manager schwierig zu greifen das Thema der sozialen Nachhaltigkeit. Eben weil es nicht so, in KPIs einfach zu erschließen ist wie jetzt weiß ich nicht dein Umsatz, deine Marge oder, Ne, dein Profit und da braucht es immer wieder sehr viel Infos und sehr viel ja, ich will jetzt nicht Aufklärungsarbeit. Sagen, aber im Prinzip ist es viel ja, es ist schon viel Infos rund um das Thema zu streuen und auch ja, den Einstieg zu erleichtern fürs Unternehmen. Was es da halt auch geht bei der ganzen Thematik Nachhaltigkeit. 
Wolfgang Schoch
00:09:28
Ja, finde ich, finde ich absolut. Äh und das ist eine gute Sache, wenn man dafür einsteht und einfach auch die Wahrnehmung fördert. Denn äh letztendlich sind wir halt alles fühlende Wesen und halt keine Ressourcen, die auch beliebig austauschbar sind, denn ich glaube, ein Problem, eines der vielen Probleme beim Begriff Ressource oder beim Begriff Human Resources ist ja diese Beliebigkeit. Du brauchst fünf Menschen jetzt irgendwie also ich komme aus der Softwareentwicklung, du baust fünf Menschen, die jetzt in dieser Programmiersprache programmieren können und mit denen kannst du das Projekt machen und welche Menschen das sind, ist egal. Du kannst vielleicht noch so in Anführungszeichen nach Qualität unterscheiden. Das sind Leute, die haben ein Jahr Berufserfahrung, zwei oder fünf Jahre. Können die bisschen mehr leisten, dann kosten die auch ein bisschen mehr und das ist in der Excel-Tabelle wahrscheinlich eine eine gute Sache, dann kannst du da noch ein ein bisschen durchrechnen, Grafen drauflegen, dann siehst du, okay und in drei Monaten sind wir jetzt fertig. Aber in den 15 Jahren, in denen ich jetzt arbeite, hat so was nie funktioniert. 
Ann-Christin Neuenstein
00:10:23
Ja ich habe ja auch schon einige Jahre in der Logistikbranche zugebracht. Ich glaube, du hast vorhin auch mal gefragt, wie ich zu der Nachhaltigkeit. 
Wolfgang Schoch
00:10:31
Richtig, ja. 
Ann-Christin Neuenstein
00:10:32
Bin um den Faden nochmal aufzunehmen. 
Wolfgang Schoch
00:10:36
Ja, aber du hast danach gleich von der sozialen Nachhaltigkeit gesprochen, die ich so gar nicht aufm Schirm hatte und das ist ein Thema, das ich total wichtig und gut finde. Deswegen musste ich da direkt zuhören und nochmal nachfragen, aber ja, du kommst aus der Logistikbranche. 
Ann-Christin Neuenstein
00:10:50
Genau, ich habe da ein paar Jahre gearbeitet und auch eben als Projektleiterin und so im Nachhinein habe ich mich immer gefragt, Mensch, was habe ich eigentlich mit Anfang zwanzig Also ich habe ein duales Studium gemacht, bin dann sofort eingestiegen, ne und was habe ich eigentlich mit Anfang zwanzig gemacht? Das sowohl die Menschen, die im Warehouse gearbeitet haben, Stapler gefahren sind äh das Paket zusammen haben, als auch die Menschen in der Strategie oder im in der operativen die Führungskräfte, wie habe ich das geschafft, dass die das umgesetzt haben, was ich. Projekt vorliegen hatte und mir ist dann bewusst geworden, das liegt an meiner Art, mit Menschen umzugehen, an der Empathie und an dem ganzen Thema, Menschen zu sehen und auch ähm die Wertschätzung zu geben und als ich das verstanden habe, habe ich gedacht, Mensch. Damit könnte ich doch jetzt eigentlich auch rausgehen, weil letzten Endes mache ich immer das Gleiche, was in den Projekten so ähm ja. Benötigt wurde und fangen halt an, mit den Menschen zu arbeiten und auch das Vertrauen zu gewinnen, um halt das Projekt zu einem Erfolg zu bringen. Und wenn's grade um Kosteneinsparungsmaßnahmen geht am Ende des Tages, hat natürlich erstmal jeder Mitarbeiter Mitarbeitende auch Angst davor, dass er seinen Job verliert oder dass er was oder sie was falsch macht oder so was und genau da liegt ja auch irgendwie die Krux in so einem Projekt, dass man da klarmacht, dass es nicht darum geht, Menschen zu entlassen, sondern eben Prozesse zu optimieren und da geht's viel drum in der Logistik. Und ähm am Ende des Tages den Menschen halt mitzunehmen. Und so bin ich eigentlich dahin gekommen. 
Wolfgang Schoch
00:12:26
Ja, was hast du denn studiert? Du hast grad gesagt, du hast ein duales Studium gemacht. 
Ann-Christin Neuenstein
00:12:30
Genau, ich habe BWL studiert, ganz, Klassisch an der Stelle und dann die Fachrichtung Spedition Transport und Logistik. Wo ich Spedition und Transport ganz gerne immer untern Tisch fallen lasse, aber der Vollständigkeits halber habe ich's jetzt mal gesagt. Also ich bin mehr Logistik-Expertin als. Transportexpertin. 
Wolfgang Schoch
00:12:50
Okay, cool. Also ähm es war eine Frage, die ich auch so direkt noch im Kopf habe, ist du hast am Anfang ja, haben wir drüber gesprochen, du bist eine Unternehmensberaterin für Nachhaltigkeit oder eine nachhaltige Unternehmensberaterin, was ist da die richtige Form? 
Ann-Christin Neuenstein
00:13:05
Ich sage selber immer nachhaltige Unternehmensberaterin, aber am Ende. Ist es also ich finde das einfacher so greifbarer statt dass da noch ein Word also noch ein Wording mehr ist ähm genau. 
Wolfgang Schoch
00:13:21
Ist bei deinen Kunden oder ist generell bei den ganzen potenziellen Kunden, die es da draußen gibt, ist denen klar, was soziale Nachhaltigkeit ist oder kommen, die vielleicht auf dich nur wegen dem Begriff Nachhaltigkeit, weil das vielleicht ein Passwort ist in Anführungszeichen, sie sich da irgendwie weiterentwickeln möchten und im Gespräch wird dann erst klar, was du eigentlich anbietest? 
Ann-Christin Neuenstein
00:13:40
Ja, also es wäre natürlich ein Traum, wenn schon jeder wüsste, was ich tun würde. Dem ist aber nicht so. Das heißt Noch nicht, genau. Wir arbeiten ja jetzt hier auch da dran, lieber Wolfgang. Ähm nee, also das meist den meisten ist es eben nicht bewusst, dass es diese soziale Komponente gibt. Also wenn ich, man kann das so ein bisschen vielleicht vergleichen ökonomisch mit. Sozialen in Einklang versuchen zu bringen mit dem ganzen Social Entrep Entrepreneurship so ein bisschen in diese Richtung geht das ja auch, ne? Da ist man den den Fokus nicht verliert auf den Menschen und trotzdem Umsatz generiert oder Gewinne generiert, weil wir leben auch in einer kapitalistischen Welt und in einem kapitalistischen System und am Ende geht's natürlich auch darum, Erfolg zu haben. Mit dem, was ich täglich mein doing esse sozusagen. Das heißt, diese soziale. Komponente der Nachhaltigkeit ist, vielen eben und auch vielen Managern eben noch nicht klar. Managerinnen schon eher, die haben irgendwie, Natur aus, glaube ich, haben Frauen da einfach noch mal einen anderen Fokus auf. Das ganze Thema mit dem Menschen zu arbeiten und das heißt, ich fange da schon immer viel auch. So wie wir jetzt auch eingestiegen sind in unser Gespräch heute viel, viel anzuerklären und, Am Ende des Tages ist ja auch meine Perspektive nicht die eindeutigste Perspektive oder nicht die, die richtig oder falsch ist, sondern äh meine Perspektive ist das, was ich darunter verstehe und. Natürlich die Definition, die man jeder, wie du schon sagtest, nachschlagen kann, aber am Ende des Tages muss man auch schauen, wie man da zusammenfindet, ne und. An welchen Bereichen es vielleicht auch im Unternehmen hapert. 
Wolfgang Schoch
00:15:25
Gibt's dann bei deinen Kunden auch solche Aha-Erlebnisse, wenn du mit denen sprichst und erklärst, was was du eigentlich genau machst. Also sowas wie, oh, wir wollten jetzt äh, CO2-mäßig besser dastehen, weil wir's irgendwie äh das das äh brauchen für unsere für unsere Kunden oder für die Publicity irgendwie und jetzt kommst du um die Ecke und sagst, ähm ja, so um euer CO2 -kümmere ich mich jetzt nicht, aber ich könnte euch beraten äh darin gehen, dass eure Mitarbeitenden einfach äh glücklicher sind. 
Ann-Christin Neuenstein
00:15:52
Ja dann ist natürlich erstmal ein großer Schock im ersten Moment und oder ja im positiven formuliert, das ist ein Aha-Moment, wo sie denken, ah cool, das gibt's auch noch. Ist jetzt aber nicht das, was ich suche. Das heißt, meiner Meinung nach ist das Thema soziale Nachhaltigkeit noch nicht ganz so präsent. Also viel ökologische Nachhaltigkeit sehen wir ja auch jetzt uns im tagtäglichen bewegen, wie viele Werbewerbeanzeigen Marketing Sachen man so sieht, wo man jetzt als Endkonsumentkonsument hin. Ja irgendwie, an einen appelliert wird. So hier kannst du noch CO2 sparen oder da kannst du noch dein Plastik irgendwie versuchen zu vermeiden. Hm Ja, das ist also natürlich dann erst mal nicht das, was sie aktuell glaube ich, so suchen, aber am Ende des Tages bin ich felsenfest davon überzeugt, dass ein Unternehmen nur dann erfolgreich ist, wenn es eine gute Kultur hat, wenn's die Mitarbeitenden wertschätzt und das Ganze auch nachhaltig tut. 
Wolfgang Schoch
00:16:50
Ja, das glaube ich auch. Also ich glaube, wenn man äh dauerhaft seine Mitarbeitenden dann irgendwie vernachlässigt und die jetzt wirklich nur versucht auszupressen, das funktioniert eine Zeit lang wahrscheinlich ganz gut, Weil äh weil Menschen oftmals ähm vielleicht auch gar keine Möglichkeit haben, es direkt zu sagen, nee, da habe ich keine Lust. Ich suche mal einen anderen Job und Menschen auch leidensfähig sind. Aber ich glaube nicht, dass das langfristig gut funktionieren kann. Vor allem auch Mitbewerber gibt, Vielleicht das gleiche Produkt haben oder das gleiche Business wie du und dann suchen diese Mitbewerber dann vielleicht einfach ein Unterscheidungsmerkmal oder sie suchen gute Leute um zu sehen okay du hast gute Leute, du hast ein gutes Produkt, aber du bist in Anführungszeichen Sklaventreiber dann ist ja einfach der Umgang mit den Menschen ein Differenzierungsmerkmal. 
Ann-Christin Neuenstein
00:17:37
Total Und man merkt das auch am Fachkräftemangel oder am Markt für Mitarbeitende, das sieht man ja jetzt auch. Das wird auch so in Zukunft nicht mehr so funktionieren. Also da bin ich auch fest von überzeugt. Es gibt immer weniger, Qualifizierte Mitarbeiternde, die die Unternehmen oder nicht nur also eigentlich jede Form von Anstellung wird immer schwieriger zu zu bekommen, beziehungsweise die Unternehmen suchen alle ganz händeringend gerade jetzt auch nach der covid-Pandemie, habe ich oder, Na ja, nach kann man ja eigentlich noch nicht sagen. Ähm. 
Wolfgang Schoch
00:18:12
Fünf Wellen der. 
Ann-Christin Neuenstein
00:18:12
Ja sind wir bei fünf. 
Wolfgang Schoch
00:18:15
Ich weiß es nicht. Ich habe nach drei aufgehört zu zählen. 
Ann-Christin Neuenstein
00:18:18
Okay. Ja also genau da sieht man ja jetzt auch überall wo überall Menschen gesucht werden, die entsprechend die Arbeit mögen, also leisten mögen und da bin ich auch der Meinung. Dass das jetzt einfach auch eine Umbruchszeit ist, ne, dass es ein Change. Man merkt es auch finde ich auf der Straße, weil man sich unterhält oder wenn man mit Menschen, ja zusammenarbeitet, dass Ist jetzt ein großer Umbruch ist und dass Menschen anfangen, Sachen zu hinterfragen, mehr Purpose zu suchen bei der Arbeit, mehr ähm vielleicht auch fragen, ja, wenn ich ein Paket bestelle, was passiert dahinten raus eigentlich, wer macht das für mich, wer bekommt das Geld oder eben kein Geld oder wenig Geld dafür und insofern kann ich da auch nur an die Unternehmen appellieren, dass sie da was tun, Also nicht sagen, ja dieses Social Facts oder diese soziale Nachhaltigkeit, ja das brauchen wir nicht. Da glaube ich kommen wir dann nicht so weit mit. 
Wolfgang Schoch
00:19:18
Du hast grad ein Wort genannt und zwar äh dass die Leute ihren Purpose suchen oder hinterfragen. Also ich kann mir das auf Englisch, ich ich kenne das englische Wort, ich kann mir das auf Deutsch übersetzen, aber was bedeutet das in dem Kontext, den du da grad gemeint hast? 
Ann-Christin Neuenstein
00:19:32
Ja ich meinte damit einfach die. Arbeit zu hinterfragen und auch die Sinnhaftigkeit, die stiftet meinen Job, den ich jeden Tag ausfülle oder ausführe, stiftet der Sinn, stiftet der was zum Gemeinwohl, stiftet er was? Weiß ich nicht, was auch immer das Unternehmen jetzt macht oder habe ich irgendeinen Impact? Jetzt habe ich schon wieder ein englisches Wort benutzt. Habe ich einen ja Impact auf Deutsch. 
Wolfgang Schoch
00:20:01
Ich glaube Impact ist ähm ich glaube, das ist in Ordnung, ja. 
Ann-Christin Neuenstein
00:20:03
Ist okay. Okay. Hm genau. 
Wolfgang Schoch
00:20:08
Einfluss oder? Kann man kann man vielleicht so übersetzen, oder? Impact ist dein Einfluss, den du hast. 
Ann-Christin Neuenstein
00:20:11
Läuft ja wie geschmiert. 
Wolfgang Schoch
00:20:13
Es ist nicht abgesprochen. 
Ann-Christin Neuenstein
00:20:15
Genau, also ich glaube zumindestens nehme ich das wahr in auch den Netzwerken, wo ich unterwegs bin, dass viele Menschen anfangen zu sagen, ja eigentlich, ich bekomme da gutes Geld für das, was ich tue, aber ich hinterfrage schon. Ja, die Sinnhaftigkeit einfach, macht das Sinn, was ich da jeden Tag mache, macht das mich zufrieden, verändert das irgendwas? Auf dieser Welt, in dieser jetzigen Zeit oder eben nicht. 
Wolfgang Schoch
00:20:43
Man verbringt jede Woche, also ich arbeite in Vollzeit, ich verbringe jede Woche weiß nicht vierzig, vielleicht 45 Stunden auf der Arbeit, das ist schon richtig viel Zeit, und ähm so die Frage oder der Gedanke, was mache ich denn mit der Zeit? Abgesehen davon Geld zu verdienen. Wir leben in dieser kapitalistischen Gesellschaft und äh ich brauche mein Geld. Ich habe eine Wohnung, die muss ich bezahlen. Ich ich, Ich esse gern was, äh muss ich bezahlen. Ich äh ich benutze gern das Internet, muss ich bezahlen. Ich spiele auch meinen Computerspiel oder gehe mit meiner Freundin in Urlaub. Das kostet alles Geld. Also ich brauche schon eine gewisse Grundmenge an Geld. Aber ähm es gibt ja verschiedene Arten, diese diese zu verdienen und Weiß nicht, wie's bei dir ist, also mein Ziel soll's als junger Kerl war mal richtig reich zu werden und so in der Schule damals so der Gedanke, hey, du wirst mal Millionär, das klang schon ganz cool, da kannst du mal ein teures Auto kaufen. Ja, die Schulzeit, die ist jetzt äh ein paar Jahre her und heute bin ich an dem Punkt, wo ich sage, okay, ich ich genügend Geld, um davon gut zu leben. Millionär ist gar nicht so mein Ziel, ist mir zu anstrengend oder so 80 Stunden die Woche zu arbeiten, um das Doppelte zu verdienen. Aha, es ist viel Zeit und B, ja. Brauche ich jetzt unbedingt auch nicht so das ganze. 
Ann-Christin Neuenstein
00:21:57
Genau. Ja für mich war auch in meinem Lebenslauf so ein Umbruch als ich mit Mitte 20 den Dienstwagen hatte ganz gutes Gehalt für mein Alter, eine ganz gute Position und Eigentlich hätte das jetzt noch weiter steil bergauf gehen können und da waren sicherlich die Möglichkeiten da, aber für mich war dann ganz essenziell ja, bin ich denn zufrieden mit dem, was ich im mache und ähm ja glücklich auch ein Stück weiter, wobei Glück finde ich klingt immer so wenig beeinflussbar Von daher benutze ich immer lieber Zufriedenheit oder Zufrieden sein und da konnte ich ganz klar nein sagen und dann habe ich gedacht, gut, dann muss ich jetzt was ändern. Also. Die Millionärin, das hatte mir nie so das war nie so mein mein Ziel, meine Zielvorstellung, aber es war schon dieses Thema Karriere machen, dieses duale Studium soll sich ja auch gelohnt haben. 
Wolfgang Schoch
00:22:53
Natürlich, du investierst so viel Zeit. Äh du hast so gebüffelt unter deinen ganzen Unterlagen, du hast wahrscheinlich einen guten Abschluss gemacht. Ähm das muss ich auszahlen irgendwann. 
Ann-Christin Neuenstein
00:23:02
Ja genau und dann das ist halt so und das da dreht sich also da da kommen wir wieder zurück auf das, was ich jetzt halt mache, dass es tatsächlich auch echt eine Leidenschaft von mir, weil ich auch weiß, wie's wie's aussieht und ich habe halt die. Die Stärke Systeme verstehen zu können, das hat mir in der Logistik ähm Branche sehr stark geholfen, weil ich verstanden habe, okay, wenn wir hier was ändern, kriegen wir da einen anderen Output. Aber Achtung, wir dürfen nicht nur den Prozess betrachten, sondern auch die Beteiligten, also die Menschen, die auch an dem Prozess arbeiten und am Ende des Tages sind es auch die Menschen ja, in der Logistik, um jetzt da zu bleiben, die im Warehouse arbeiten, die am Ende dafür sorgen, dass ich, wenn ich jetzt hier bestelle, zu Hause, mein Paket bekomme und dann sollte man auch die entsprechende Wertschätzung diesen Mitarbeitenden. Ja zukommen lassen und das Klima es dann auch ein ganz anderes und das finde ich einfach sehr beeindruckend und auch irgendwie so mein mein eigener Purpose so da irgendwie das klingt jetzt vielleicht ein bisschen cheesy aber ich meine das wirklich so ein bisschen mehr Gerechtigkeit wo man merkt okay wir haben ganz viele Themen, an denen wir noch arbeiten können und wenn man irgendwie selber das Privileg hat, entsprechend die Fähigkeiten dazu zu haben, dass man. Dann auch anfängt, was zu verändern oder zu versuchen. 
Wolfgang Schoch
00:24:20
Es ist. Ja es ist vor allem die Sache, die du halt auch direkt tun kannst. Ich habe mich mal vor einiger Zeit mit dem Armin Schubert unterhalten hier im Podcast. Der Armin, der beschäftigt sich sehr viel mit äh ja glücklich äh glücklichen Leben und mit Zufriedenheit und Dankbarkeit und solchen Themen. Der hat, Leben auch viel erlebt und ist heute an so einem Punkt, wo er sagt, wenn er dankbar ist und freundlich ist, anderen Menschen gegenüber macht er das zu einem ganz großen Teil auch, weil ihm das was gibt. Klar, es ist schön, wenn er da durch jemand anderem vielleicht den Tag versüßt, indem er mal jemanden anlächelt oder mal danke sagt oder im Supermarkt jetzt eine Person mitm Vornamen anspricht, wenn jetzt manche Leute haben ja dann irgendwie so einen Ansteiger dran, da steht dann drauf, Wolfgang und dann äh der Armend sagt gern an der Kasse. Ja Wolfgang, vielen Dank, ich wünsche dir einen schönen Tag und das irritiert die Leute. Und er sagt aber, er macht das zu einem großen Teil auch an ihn das selber glücklich macht. Weil wenn er weiß, er tut jetzt so was oder wenn er so was tut, Den ganzen Tag zum Grinsen im Gesicht und er sagt, ja das ist vielleicht ein bisschen egoistisch, aber ähm das ist ja eine Win-Win-Situation. 
Ann-Christin Neuenstein
00:25:23
Ja, total und ich meine, welcher Mensch freut sich nicht darüber, wenn man freundlich ist? Also das, schön und dass man auch die Supermarktkassierin beachtet und nicht mitm Handy telefoniert oder so was. Das sind ja so Kleinigkeiten, die man auch im täglichen da schon machen könnte, so. Wie hieß er Armin oder Achim? 
Wolfgang Schoch
00:25:44
Der der Achim hieß Armin, Armin Schubert heißt er. Armin ist ähm der hat ein Unternehmen, äh die beschäftigen sich mit Agilität, also die so beraten auch Firmen, unterstützen und ähm Armin macht das auch schon relativ lange und ähm ist ein sehr sehr positiver Mensch, hat äh eine sehr bewegte Vergangenheit gehabt und dich das interessiert, dann hör dir doch mal die Folge mit dem Armin an. 
Ann-Christin Neuenstein
00:26:08
Oh mein Gott. 
Wolfgang Schoch
00:26:10
Aber Achtung, Arme ist sehr positiv. Aber eine ganz provokante Frage. Muss man sich so einen Purpose oder so eine Suche nach dem Purpose auch leisten können? Du kannst dir das leisten. Ich kann mir das auch leisten. Also ich könnte jetzt auch einen Shop annehmen, wo ich weniger Geld verdiene als ich jetzt verdiene, das wäre in Ordnung für mich. Aber kann sich das jetzt auch die Supermarktkassiererin, über die haben wir ja grad schon gesprochen, wenn wir die exemplarisch nehmen, weil oftmals sind's ja Frauen, aber kann die sich das leisten, wenn sie sehr wenig Geld verdient und vielleicht zuhause Bei den ganzen Klischees, alleinerziehend ist und zwei Kids durchfüttern muss. 
Ann-Christin Neuenstein
00:26:45
Ja klar, das Privileg sein hat natürlich auch was damit zu tun und sicherlich auch ähm so ein Thema wie Hautfarbe ähm. Ne, das da sind wir einfach super privilegiert und dass ich mir das erlauben konnte, war natürlich auch, Meine Privilegierte Rolle, durch das, was ich an Möglichkeiten bekommen habe oder wie viel Glück ich eigentlich bei meiner Geburt hatte. Am Ende des Tages ist es ja nichts anderes als das und natürlich ist es dann, Ich finde, wenn man selber diesen diese Privilegiertheit hat oder, Eben die Möglichkeit besitzt, das zu tun, dass man dann auch nicht nur an sich, sondern eben auch an meinen Nächsten Denken könnte oder an die Supermarktkassiererin und dann versuche ja so ein bisschen, ich Lobbyismus ist immer irgendwie, so schlecht besetzt, aber am Ende des Tages ist ja das auch ein bisschen was, was ich mache, indem ich versuche, das ja Aufklärung zu leisten, damit eben eine nachhaltigere Welt möglich sein kann und in meiner Welt oder in meiner Vision davon wäre das dann auch so, dass die Supermarktkassiererin auch die Möglichkeit, hätte. 
Wolfgang Schoch
00:27:54
Das erinnert mich an den ganz großen und bekannten Philosophen Und zwar an Peter Parker, Spider-Man, der hat immer gesagt, aus großer Macht entsteht auch große Verantwortung. Könnte man das so übertragen, wenn man sagt, Macht ist ja auch sowas wie ein Privileg, also so dein Geburtsprivileg, weil du als Weiße Frau in Köln lebst ähm dass daraus auch eine gewisse Verantwortung oder auch eine große Verantwortung entsteht aus diesem Privileg mehr zu machen als nur deinen persönlichen Vorteil zu zu mehren. 
Ann-Christin Neuenstein
00:28:25
Ich finde da, also das ist jetzt meine persönliche Meinung. Ich finde schon und ich spüre diese Verantwortung auch und letzten Endes diesen Drive, das zu machen, was ich mache. Kommt schon auch der speist sich da raus ich ich verstehe, ich habe in der Schule schon oder ich habe in der Schule gesehen, wie's auch irgendwie nicht so gut laufen kann, so. Das sind halt alles Systeme, wo man durchgeschleust wird und. Na ja, da wenn ne, wenn man dann versteht, ah ja, hm, okay, wir können da was Größeres leisten, ich kann da was Größeres leisten, dann will ich das auch versuchen. Also ich weiß nicht, da bin ich einfach zu positiv. 
Wolfgang Schoch
00:29:05
Kann man zu positiv sein. Also Armin würde wahrscheinlich sagen, nein. 
Ann-Christin Neuenstein
00:29:08
Ja, Armin, schade, Armin, kann man jetzt nicht fragen. Nee, aber ähm ich. Ich weiß nicht, manchmal höre ich so was wie er sieht alles so romantisch aus, was du machst oder deine Website, habe ich mal das Feedback bekommen. Das klingt ja alles ganz toll, aber es klingt auch irgendwie ein bisschen esoterisch und dann war ich erstmal ein bisschen verwundert. Fand's aber dann total spannend und interessant, weil ich dann gedacht habe, ah, was heißt das jetzt eigentlich? Heißt das nicht, vielmehr auch was über diejenige oder denjenigen, derjenige, der mir das halt gefeedbackt hat über ihren oder seinen Zustand und vielleicht wir auch ein Stück weit vergessen, dass wir alle die hier oder viele, die hier in Deutschland leben auch sehr privilegiert sind. Und dass wir nicht nur jammern können, sondern dass wir auch verändern können und so ein so eine Veränderung beiführen können. 
Wolfgang Schoch
00:29:55
Ja auf jeden Fall, also es gibt da so dieses vier Seitenmodell von äh von Schulz von Thun und da gibt's ja auch die Selbstoffenbarungsebene. Also wenn, was über dich sage oder wenn ich was über deine Website sage wow, die sieht sehr romantisch aus Sie ist ein bisschen in Pink oder in so einem in so einem neckischen Rot als so. Das ist schon ein bisschen romantisch, würde ich sagen. Aber das offeriert ja vielleicht auch oder zeigt über mich, dass ich vielleicht auch ein romantischer Mensch bin, der überall solche Pointers sieht. 
Ann-Christin Neuenstein
00:30:23
Ja klar, also. Ich glaube an der Stelle ging's mehr um das Inhaltliche noch, aber ich verstehe auch, wo es hingeht, wie ich meine, wir haben ja auch Pink Blauunterscheidungen oder rosablaue Unterscheidungen und das hat natürlich auch was damit zu tun wie hinterfragend man und wie achtsam man durch die Welt geht und Nachhaltigkeit hat auch viel mit Achtsamkeit zu tun finde ich und viel mit. Reflektiertheit, hinterfragen und das kann man lernen. 
Wolfgang Schoch
00:30:49
Also ich finde es super interessant und ich hab's glaube ich schon zwei, drei Mal jetzt erwähnt, die soziale Nachhaltigkeit äh finde ich total wichtig, war mir ehrlich gesagt aber kein Begriff oder Label Nachhaltigkeit. Wenn ich so über Nachhaltigkeit spreche oder von der Werbung beeinflusst werde, dann geht's ja meistens um die Nachhaltigkeit im Alltag, also welche, bedarf ich kaufen oder soll ich kaufen? Ist es okay, mit dem Auto zu fahren? Soll ich die Bahn nehmen? Ist ein Flugzeug richtig, richtig böse oder ist es okay, wenn ich so eine CO2-Kompensation mache oder ist das nur irgendwie für mein Gewissen was Gutes Ich würde mal vermuten, dass eine Frau wie du, die sich beruflich mit dem Thema Nachhaltigkeit in Klamber sozial beschäftigt, ja sicherlich auch äh Fachwissen oder ein Gespür oder auch eine Einstellung zur Nachhaltigkeit in diesen Alltagsbereichen hat. Meine erste Frage, deswegen ja oder. 
Ann-Christin Neuenstein
00:31:43
Ja total, also absolut. Also ich lebe soweit wie es geht auch ökologisch, nachhaltig. Ähm ich glaube die Beispiele, die du da angeführt hast, waren viele aus der ökologischen Nachhaltigkeit und das, was. Für mich umgesetzt habe, ist der die vegane Ernährung, weil ich da auch von überzeugt bin, nicht, weil ich's nicht mag, sondern einfach, weil ich denke, dass wir da auch ein Systemproblem haben. Und zusätzlich kommt die ökologische Nachhaltigkeit in meinen Haushalt natürlich auch zugute. 
Wolfgang Schoch
00:32:15
Wie sieht es bei dir im Alltag aus? Also vegane Ernährung ist, glaube ich, verständlich. Da verzichtet man auf Tierprodukte. 
Ann-Christin Neuenstein
00:32:22
Klar, das sind so so die Themen. 
Wolfgang Schoch
00:32:24
Und wie sieht das dann sonst im Alltag aus? Also so Sachen wie du kaufst dir doch sicherlich auch mal Klamotten. Also du bist eine du bist eine junge, attraktive Frau. Da braucht man auch mal coole Klamotten. Oder? 
Ann-Christin Neuenstein
00:32:35
Ja. Ja total und das genau, das das ist eigentlich ein guter gutes äh Stichwort im Perfektionismus und Nachhaltigkeit vertragen sich meiner Meinung nach gar nicht. Also kein Mensch braucht Angst haben, dass wenn er jetzt versucht, eine nachhaltige Lebensweise umzusetzen, dass er perfekt sein soll. Wir sind sehr daran, Gewöhnt worden, dass wir vor allem, finde ich, hier wo wir uns bewegen, wo wir leben hier in Deutschland, dass immer alles erst perfekt sein soll, bevor. Wir was machen oder umsetzen oder bevor wir uns überhaupt nachhaltig nennen dürfen und da bin ich im der Meinung, dass dem dass wir uns ein bisschen mehr unperfektionismus oder unperfekt sein, mehr stehen würde, einfach mal ausprobieren, einfach mal machen, loslaufen und wenn ich nicht von heute auf morgen, wer schafft das schon, vegan lebe zum Beispiel, dann, ähm ist es voll okay, Hauptsache wir man fängt an oder, Mensch fängt an, sagen wir's so und du hattest gefragt, wie das bei mir aussieht. Natürlich kaufe ich auch noch neue Sachen. Ich versuche da mich mit der Brand zu mit der Marke zu beschäftigen und zu schauen, wie die Produktionsbedingungen sind, wie werden die Menschen bezahlt? Was sagen die Menschen über ihre über ihre Produktionslinie, wo beschaffen sie ihre, ihre Sachen, wie ist die Lieferkette? Also es gibt ja auch, Weil das Lieferkettengesetz, wenn ich das wenn ich richtig informiert bin und das ist manchmal als Verbraucher, als Verbraucherin gar nicht so einfach rauszufinden, wo. Wird es produziert, wer produziert es zu welchen Bedingungen wird produziert und da versuche ich genau zu hinterfragen und beobachte die Marken auch, bevor ich sie kaufe. 
Wolfgang Schoch
00:34:14
Aber zeigen, also wir müssen jetzt gar keine Marken unbedingt nennen, aber das sagen die großen Modelabels nicht alle, dass sie total nachhaltig produzieren äh haben auch wieder das schöne Buzzword, dass die Lieferkette super ist, dass die ganz Leute, die die Klamotten von Hand nähen, auch äh vernünftige Entlohnung bekommen et cetera. 
Ann-Christin Neuenstein
00:34:30
Ja, ich möchte jetzt auch nicht den großen Ketten Modeketten, glaube ich, spielst du drauf an. Zu nahe treten, aber meiner Meinung nach ist das auch viel Greenwashing. Also wirklich versuchen also wenn man ich habe mal von einer von einer Expertin in dem Bereich ähm gelernt, ähm was Greenwashing angeht, dass wenn ein Unternehmen viel in kurzer Zeit versucht zu verkaufen, ähm dann kann es nicht, Wirklich nachhaltig sein. Und ich glaube mit dieser Definition von Greenwashing erkennen kann man ganz gut durch die Welt sich bewegen und ein bisschen drauf achten, wenn ich jetzt zum Beispiel bei eben einer solchen Kette bestellen würde, wie kommt das Paket bei mir an? Ähm wie ist der Service drumherum und da kann man auch sehr viele Indizien. Rauslesen, ob etwas wirklich ernst gemeint ist oder ob das jetzt einfach grade total hip ist. 
Wolfgang Schoch
00:35:25
Also mit schnell verkaufen oder schnell viel verkaufen, meinst du das so klassische Fast Fashion, dass man jetzt irgendwie 25 Kollektionen pro pro Monat hat äh und dann wirklich jede Woche neue Sachen irgendwie im Store sind? Okay. 
Ann-Christin Neuenstein
00:35:38
Genau und dieses ganze Thema mit Altkleider, das ist ja auch alles gar nicht so, wie wir denken, dass wenn wir's hier in unseren, Kleider, Sammelbehälter schmeißen, dass es dann auch wirklich wiederverwertet wird und das Problem bei Fastfashion ist ja auch, dass es meistens nicht möglich ist oder dass es günstiger ist, es zu verbrennen oder zu verschiffen und dann wird's in, eben Länder geschickt, die eben nicht so privilegiert sind, wie wir jetzt hier in Europa sind und das kann ja keine Lösung sein. Nur ist so ein bisschen dieses ausm Auge, ausm Sinn. Hast du was Gutes getan in Anführungsstrichen, was natürlich nicht so ist. Aber so wird der Marketing-Effekt da so ein bisschen. Ausgenutzt. Übrigens interessant finde ich auch diese ganze CO2-Debatte für Verbrauchende. Das fällt mir gerade noch ein, dass hat auch ein großer, großer ähm NaÖkonzern eigentlich so an die KonsumentInnen herangetragen, um von sich abzulenken und wir sind so draufgepeanst so quasi als Endkonsument in zu gucken, wie wir unseren CO2, Kleiner machen können, aber da mit verschiebt sich natürlich auch ein Stück weit die Verantwortung und so habe ich auch eben manchmal das Gefühl, dass wir sehr viel über Klein-Klein reden, wie kann ich in meinem Alltag Plastik vermeiden, wenn es da noch so Zum Beispiel wie wenn's da aber auch so große Themen sind, die einen so Energie zum Beispiel, die wir jetzt alle nur bedingt beeinflussen können. Wieder gut abgelenkt werden wird. 
Wolfgang Schoch
00:37:05
Also die Geschichte, die kenne ich, das ist der CO2-Foodprint und das war BP damals, die die ins Leben gerufen haben und die es dann wirklich geschafft haben durch ihre Lobbyarbeit das Zoo fest zu verankern, dass heute auch ganz viele Umweltschutzaktivisten über genau sowas sprechen und sagen, ja aber der CO2-Fußabdruck, der ist zu hoch. Ähm bei der halt wirklich aber dann, wie gesagt, von BP kommt, was marketingtechnisch natürlich eine Meisterleistung war von denen. 
Ann-Christin Neuenstein
00:37:32
Ja total, also da stimme ich zu, genau. 
Wolfgang Schoch
00:37:34
Ja ich ich habe die Geschichte, ich glaube mal vom halben Jahr habe ich die irgendwo mal gelesen und ich wusste das vorher auch nicht und ich war auch mega mega überrascht und ich muss mal schauen, den Artikel, den kann ich glaube ich verlinken. Ich glaube, das wäre ganz spannend, wenn man sich das nochmal durchlesen möchte. 
Ann-Christin Neuenstein
00:37:47
Total, ja. Genau jetzt bin ich ein bisschen weit gehopst, ähm sorry. Deine Eingangsfrage jetzt beantwortet oder sind wir jetzt schon wieder so weit weg gespleen? Manchmal packt mich die Leidenschaft, einem so. 
Wolfgang Schoch
00:38:03
Man merkt es und man sollte sich für Leidenschaft ja auch jetzt nicht entschuldigen. Ähm ja, also du hast auf jeden Fall Dinge beantwortet und auch neue Fragen in meinem Kopf getriggert, weil wenn du jetzt sagst, man muss nicht perfekt sein, man muss es nicht dogmatisch sein. Bist du auch in deinem in deinem Umfeld irgendwie in so einer Nachhaltigkeits-Bubble oder Community irgendwie dabei, denn, habe mich mal vor einigen Jahren ziemlich viel mit äh veganer Ernährung beschäftigt. Ich kannte damals auch ein paar Leute, die da sehr viel gemacht haben, auch noch ein Bekanntes Pärchen hat sich damals auch selbständig gemacht in dem Bereich und ich bin dadurch einfach ja über die sozialen Medien da auch mal zu Facebook, gelandet. Ich fand den Umgang da immer sehr freundlich bei diesen Bekannten von mir. Ähm weiß nicht, die kennst du vielleicht, die heißen bewegt, die kommen aus äh Frankfurt und die beschäftigen sich sehr viel mit so veganer Ernährung und und die machen ja, keine Ahnung, die ein paar Bücher rausgebracht und machen so Trainings und so Sachen sind superfreundliche Leute und äh wenn ihr Lust auf eine vegane Ernährung habt, dann äh zieht euch den Podcast von dem rein, lest euch den, durch und äh die sind echt ziemlich cool, aber in diesem ganzen Umfeld außerhalb von dieser, hey, wir sind alle lieb zueinander, Bubble, habe ich damals auch schon viele Leute auch so kennengelernt, die sehr Ich möchte nicht sagen, militant waren, aber eher dogmatisch waren. So, hey, entweder du machst das zu 1hundertzehn Prozent, aber du gehörst nicht zu uns. Und ich fand so was immer schwierig. Mir persönlich waren solche Leute egal. Also ich kann so was mega gut ignorieren. Ich habe da so eine Firewall. Glaube, wenn du dich jetzt mit so einem Thema beschäftigst und sagst, ey, vegane Ernährung, ja, finde ich gut, ich kapiere das auch mit der Forstwirtschaft. Ähm aber ich schaffe das nicht, weil ich, nicht möchte oder weil ich vielleicht zu schwach dafür bin und es gibt vielleicht ja zehntausend Gründe oder hey mein Partner, meine Partnerin die möchte da nicht mitziehen, aber auch Sonntag abends, da da grillen wir im Sommer und das ist für uns sozial, was total wichtig ist und mir ist das soziale mit meinem Freund oder mit meiner Freundin einfach viel wichtiger als das andere. Und dann zu sagen hey aber ich mache einen Kompromiss, ich mache einen Veggie Day oder ich mache äh Veggie Work Day von Montag bis bis Freitag und am Wochenende mache ich's halt nicht. Ähm Ich finde so einen Ansatz gut, weil man dann halt einfach niederschwellig irgendwas ausprobieren kann und es macht ja auch schon einen Es hat ja auch schon einen Effekt, wenn ich ähm wenn ich auf so was verzichte. Wie ist das so in dieser ganzen Nachhaltigkeitsszene, wenn man sich da jetzt vielleicht im Internet mal ein bisschen schlau machen möchte oder so? Ist die freundlich oder gibt's da auch viele dogmatische Leute? 
Ann-Christin Neuenstein
00:40:32
Also aus meiner Perspektive und gerade, wenn man auf den sozialen Medien aktiv ist oder sich da so ein bisschen ja manchmal auch drinnen verliert, ist es schon, Es kann schon recht dogmatisch sein und ich finde, dass eben, wie du auch gesagt hast, schwierig, weil man so, glaube ich, nicht schafft, die Menschen zu erreichen. Die eben eine krasse Ablehnung haben, aus welchen Themen auch immer. Ernährung ist super emotional und hat auch historisch. Eine Vergangenheit und von daher muss man immer anerkennen, wenn Menschen sagen, finde ich, ich habe da halt, oder ich es wäre ja schon ein Schritt, wenn jemand sagt, ja ich habe da irgendwie ein Thema mit oder ich ich komme da nicht dran, hast du einen Tipp oder so was und ich finde, dass das dann schwierig, wenn man dann als Veganerin jetzt, um bei mir zu bleiben sagt ja aber wie könnt ihr nur oder wie kannst du nur? Also dann würde ich den Menschen ja nicht mehr richtig. Respektieren vielleicht und ich finde, Man kann auch durch eine Mahlzeit am Tag oder in der Woche einfach sich mal rantasten, einfach mal versuchen was zu verändern und es ist nun mal schwierig, Sachen zu verändern und wir Menschen sind Gewohnheitstiere. 
Wolfgang Schoch
00:41:45
Absolut. 
Ann-Christin Neuenstein
00:41:46
Und von daher finde ich, dass. Ja also mir mir ist das lieber, wenn wenn jemand da offen ist und versucht statt dass wir sagen, ja, aber bist jetzt nicht 100 Prozent vegan, wie kann das denn? Also das das bringt nichts. Es bringt weder was, wenn ich da sitze und sage, jetzt hier, du nicht, das, also mit erhobenem Zeigefinger Das macht für mich überhaupt keinen Sinn. Jetzt aber auch eine starke Meinung meinerseits und ich finde, dass man die Leute auch so ein bisschen an die Hand nehmen kann, wenn man, Ja, da einfach vorgeht und sagt, ja guck mal, du kannst das so und so ersetzen. Meistens ist es dann auch Unwissenheit und man kann dann auch eine gewisse Neugierde bei Menschen. Also. 
Wolfgang Schoch
00:42:31
Also zum einen, ich ich mag starke Meinungen, ganz ganz arg, deswegen danke schön dafür, was du als letztes gesagt hast gerade, man kann Neugier triggern, das finde ich total cool, denn hey, es ist was Neues. Ich habe es mein ganzes Leben Schnitzel mit Pommes gegessen und ich mag das und das schmeckt vielleicht dabei super lecker oder Pizza Hawaii. Na, die schmeckt nicht lecker. Ich bin das halt gewohnt, seit 40 Jahren und es kommt hier jemand um die Ecke und sagt, hey, nee, was du machst, ist doof. Du machst mein Klima kaputt, du zerstörst mein meine Zukunft Bitte ist jetzt nur noch äh irgendwie was anderes. Ich glaube, die Ablehnung ist da sicherlich eine nachvollziehbare Reaktion, aber. 
Ann-Christin Neuenstein
00:43:08
Ja, total. Es kommt immer darauf an, äh wie man mit Menschen und miteinander umgeht, ne? Man und ich glaube, das haben wir auch ein Stück weit verlernt, dass hört man ja auch immer wieder, dass wir's aushalten müssen, wenn jemand nicht der gleichen Meinung ist oder die gleiche, den gleichen Standpunkt hat. Ähm es gibt Themen, da gibt es keine zwei Meinungen, ganz klar, das ähm Thema Rassismus zum Beispiel oder anderweitige Sachen. Ähm da finde ich, ne, da gibt's keine Meinung. Das sind auch Fakten. Aber wenn es jetzt um bei also um jetzt bei dem Beispiel zu bleiben esse ich Fleisch, esse ich kein Fleisch, da kann man schon auch versuchen sich. Ja, füreinander zu öffnen und zu sagen, okay, kannst mir vielleicht erklären, warum du dich nicht da dran traust oder warum, warum warum verzichtest du denn nicht oder was was verstört dich? Einfach ein bisschen Interesse und meistens ist es dann schon so, dass dann die Dogma gar nicht mehr so stark sind und dass die Mauern dann eigentlich schon eingerissen sind. 
Wolfgang Schoch
00:44:03
Oder du kochst halt irgendwie was richtig Geiles einfach und lädst jemand zum Essen ein, dann. 
Ann-Christin Neuenstein
00:44:07
Ja, das ist immer am besten. 
Wolfgang Schoch
00:44:09
Ich meine hey, veganes Essen, also ich habe früher äh ey, was hat's denn da gegeben? Da hast du halt Herbert Tofu oder so was gegessen und also als ich angefangen habe mit so wirklich Veganer oder auch vegetarische Ernährung. Ich habe da viel zu Tofu-Scheiß ausprobiert und das das ja, wenn man's beim Asiaten richtig geil zubereiten lässt, erlegt, dass wir mit drei Wochen ein, dann schmeckt das auch mal geil. Aber was ich früher für mich erstmal neu entdecken musste, was Ernährung angeht, ist so was wie Gemüse zum Beispiel. Da kannte ich halt so ja Karotte, okay, die kennst du halt, wenn ich heute einkaufen gehe, äh dann kaufe ich ganz andere Sachen. Nein, es gibt auch mehr Auswahl. Aber ich finde, Gemüse ist halt was total leckeres und das war für mich früher maximal eine Beilage, die man aufn Teller gelassen hat. Da jetzt mal zu zeigen, hey guck mal, vegane Ernährung heißt das nicht, ich habe eine eine Sojawurst, die vielleicht jetzt. 
Ann-Christin Neuenstein
00:44:53
Nee. Die mag ich zum Beispiel gar nicht. 
Wolfgang Schoch
00:44:56
Die schmeckt auch nicht gut. Also wenn du ein, also wenn jemand eine gute Sorte kennt, dann äh gerne mal gern mal vorschlagen, würde ich gern mal ausprobieren, wenn ich im Laden welches sehe, kaufe ich immer gerne welche, wenn's eine neue Sorte gibt, weil ich neugierig bin. Jetzt hat mich da noch keiner überzeugt, aber ich glaube, sowas ist vielleicht ein ganz guter Punkt oder eine ganz gute Möglichkeit, um jemand neugierig zu machen. Hey, schau mal, hier gibt's was Leckeres und es ist nicht das, was du erwartest. 
Ann-Christin Neuenstein
00:45:21
Total und ich kann das auch verstehen, wenn ich an Tofu denke von vor, weiß ich nicht, 15 Jahren oder so was oder zehn Jahre auch noch, dann war das auch immer ein sehr geschmackloses Erlebnis. Aber diese, das ist ja also da ist ja richtig viel Potenzial und ich glaube, der Markt ist richtig krass gewachsen die letzten, letzten fünf Jahre und gerade in Deutschland ist es auch ein ein krasser Markt, der gerade wächst. Und einfach sich da nicht so zu versperren und einfach mal sich, auszuprobieren oder mal zu fragen und wir werden auch oft, also mein Freund Lukas ist auch also wir leben beide vegan und der kommt da manchmal auch mit richtig coolen Ideen um die Ecke und einfach Rezepten und dann wenn mir Leute einladen und sind sie meistens, überrascht, dass das jetzt alles vegan war und dass es so lecker war. Also es ist auch eine Frage des Umdenkens und zwar nicht so wie wir's in Deutschland so üblich haben, so ein bisschen wie du sagtest Beilage Teil und irgendwie Kartoffeln oder so was, sondern man fängt auch wirklich an, ganz anders zu kochen. 
Wolfgang Schoch
00:46:22
Ja, also ich glaube, wenn du wenn du jemand von Veganern oder vegetarischem Essen überzeugen möchtest, ist es die schlechteste Idee, irgend so ein Fleischgericht nachzubauen. Hey, guck mal, ich habe hier Sojagulasch oder Sojaschüssel. Da wirst du niemand. 
Ann-Christin Neuenstein
00:46:32
Also nicht für den Einstieg. Nee, das kann ich auch nicht empfehlen. 
Wolfgang Schoch
00:46:35
Da kannst du nie was abholen mit, weil das schmeckt dann einfach komplett anders und das äh die Erwartungshaltung ist ja richtig, richtig hoch. 
Ann-Christin Neuenstein
00:46:42
Total, dann können die Menschen nur enttäuscht werden. 
Wolfgang Schoch
00:46:44
Ja. Man muss einfach schlau sein. Guter Praxistipp von Wolfgang hier an der Stelle. Einfach schlau sein. Das ist eine gute Sache. Ann-Christine, ich fand das äh einen super interessanten Einblick in den Bereich äh Nachhaltigkeit. Was mich zum Schluss noch interessieren würde Ähm ich bin ein ganz großer Fan von der Strategie der kleinen Schritte. Nicht irgendwie so den großen Berg angehen, der dich verängstigt und einschüchtert und äh entmutigt, sondern ich find's schön, kleine Schritte zu gehen und wenn wir jetzt ein bisschen mehr Nachhaltigkeit in unseren Alltag bringen möchten Was wäre denn so ein kleiner Schritt, den wir vielleicht direkt jetzt irgendwie ausprobieren könnten oder morgen Früh? Also nichts Großes, wo wir jetzt oha, ich muss eine Einkaufsliste machen, ich brauche irgendwelche Dinge muss was planen, ich brauche irgendwie ein Whiteboard für für meine ganzen Formeln, dass ich was durchrechnen kann. Was wäre denn so eine kleine Sache, wo man, bisschen nachhaltiger werden kann, indem man das jetzt direkt macht oder morgen. 
Ann-Christin Neuenstein
00:47:41
Also, Mir fällt es schwer, jetzt ein Produkt hervorzuheben oder zu sagen, geht in den Supermarkt, kauft kein Plastik mehr, dann ist es schon wieder mit sehr viel Druck verbunden. Hm, ich glaube, was uns da helfen würde, wäre einfach grundsätzlich eine gewisse Offenheit und die Neugierde wieder zu entdecken und wenn, man nicht genau weiß, dann kann man mich auch gerne fragen, in welchem Bereich. Ich jetzt bei der veganen Ernährung zu bleiben, wenn wenn man ja da Fragen hat, dann kann man sich auch gerne an mich wenden. Ähm. Ja, also diese Offenheit wäre für mich schon so. Und die Neugierde, die dadurch entsteht und nicht so viel Werten, nicht so viel Werten in der Kommunikation, nicht so viel Werten über andere, sondern einfach ein bisschen mehr bei sich bleiben, bisschen mehr achtsam sein, ähm Sachen hinterfragen, ist das, was ich seit Jahren so mache, eigentlich überhaupt cool einfach vielleicht sich ein bisschen Zeit nehmen da nachzudenken. 
Wolfgang Schoch
00:48:41
Das finde ich total gut. Also offen sein ist was schönes und neugierig sein ist auch schön und wenn ich vielleicht noch eins hinzufügen darf. Wenn man jetzt ähm so was Nachhaltiges ausprobiert, mehr Rad fährt oder irgendwie jetzt was ohne Plastik einkauft, ein Shampoo ohne Plastik, also Seife. Sich jetzt vielleicht mal Klamotten auf den Basar holt, also ist auf dem Markt oder auf dem Second Hand Shop. Ähm das bedeutet ja nicht, dass man auf was verzichtet. Das bedeutet ja, Dass man was Neues entdeckt. Das war für mich für die Ernährung so eine Sache. Ich äh ähm also ich habe mich viele viele Jahre ähm da sehr sehr streng ernährt, was so was anging und für mich war das ähm war der die Motivation, Irgendwann jetzt nicht, dass ich auf was verzichte. Du darfst nicht, weil das funktioniert bei mir gar nicht. Also, oh das ist schwierig also da komme ich nicht gut mit zurecht, aber für mich war das ich mache das ja freiwillig und ich entdecke was Neues. Also ich nicht auf ein Schnitzel, sondern ich esse jetzt einfach mal äh irgendwas anderes, wo ich noch nie gegessen habe. Hey, boah, was ist das? Wow, cool. 
Ann-Christin Neuenstein
00:49:45
Ja, ja oder der gewohnte Gang oder die gewohnte Fahrt mit dem Auto was zu machen, vielleicht irgendwie durch wie du sagtest, Fahrrad fahren, spazieren gehen, Bahn fahren. Solche Themen kann man eigentlich superschnell umsetzen. Einfach ein bisschen die Gewohnheiten durch ja, durch neue, neue. Neue Sachen irgendwie sich inspirieren zu lassen und zu gucken, was gibt's eigentlich noch links und rechts von mir und eigentlich sieht man dann schon ziemlich viel. 
Wolfgang Schoch
00:50:13
Ja Und vielleicht ja auch einfach mal was als Experiment ausprobieren. Man muss ja nicht jetzt direkt jeden Tag aufs Auto verzichten, aber vielleicht kann man's ja einmal ausprobieren. Vielleicht ist es gut, weil man die Zeit hatte zu lesen oder jetzt am Arbeitsplatz nicht so super gestresst dann kommt, weil Ich hasse Autofahren, ich muss es manchmal machen, ich hasse es wirklich, weil es so anstrengend ist und vielleicht äh fühlt's sich sehr gut an, wenn man merkt, puh, ich brauche jetzt eine halbe Stunde länger, aber ich ich kann ein Buch lesen. Vielleicht merkt man, es ist die Hölle, weil die. 
Ann-Christin Neuenstein
00:50:38
Oder unseren Podcast hören. 
Wolfgang Schoch
00:50:40
Zur Podcast hören, ja. Das ist eine sehr, sehr gute Idee. Ann-Christin, vielen, vielen Dank für das Gespräch. Ich fand das super super interessant und äh du warst eine tolle Gesprächspartnerin. Gibt's noch irgendwas, äh was du irgendwie noch hinzufügen möchtest? Werde deine Website und dein Instagram-Account, der wirklich sehenswert ist und deine ganzen Kontaktdaten, die verlinke ich natürlich, also wenn jemand mit dir in Kontakt treten möchte, dann äh einfach mal die Shownotes reinschauen. Da findet ihr alles von der Ann-Christin Genau. Gibt's von deiner Seite sonst noch irgendwas, was du hinzufügen möchtest? 
Ann-Christin Neuenstein
00:51:13
Nö, ich glaube, wir haben einen sehr schönen Ausflug heute gemacht und ich bedanke mich auch ganz herzlich bei dir für deine Offenheit und dass du mich auch in meinen Leidenschaften hast, laufen lassen. 
Wolfgang Schoch
00:51:23
Natürlich, es ist ein authentisches Gespräch. Ich habe ja kein Interview mit vorbereiteten Fragen. Dafür bin ich viel zu faul. 
Ann-Christin Neuenstein
00:51:29
Nee, also ansonsten ähm wenn's noch um irgendwie Buchtipps in dem Bereich gehen sollte, dann kann man mich auch fragen, da ähm, Wenn jemand sich jetzt irgendwie sagt, so hier, ich möchte mich jetzt weiter irgendwie damit auseinandersetzen, was empfiehlst du als Buch gerne äh nachfragen oder ich ge. 
Wolfgang Schoch
00:51:47
Jetzt frage ich natürlich nach, was für ein Buch empfiehlst du denn? Also wenn du schon so anfängst, die verlinke ich natürlich auch die ganzen Bücher, aber sag doch mal gerne, was du empfehlen würdest. 
Ann-Christin Neuenstein
00:51:56
Vielleicht für den für den Einstieg fand ich also fand ich das Buch noch haben wir die Wahl von Luisa Neubauer und Bernd Ulrich, dem stellvertretenden Zeit. Ähm nach von ähm. 
Wolfgang Schoch
00:52:09
Chefredakteur. 
Ann-Christin Neuenstein
00:52:10
Ja, danke. Ja, als stellvertretender äh Zeitschefredakteur genau, sorry. Hm das fand, finde ich eigentlich ganz schön, weil sie auch die die Spanne aufmachen zwischen ökologisch, ökonomisch und sozial und auch vor allem das Thema Gerechtigkeit, Klimagerechtigkeit, was bedeutet das? Das liest sich ganz gut und es ist auch interessant weil's ein Gespräch ist zwischen eben der Luisa Neubau, die ja nun relativ jung ist und Aktivistin ist und der. Ähm der Herd an der an der Seite dazu und es liest und es ist ganz schön, weil man fühlt sich so, als wenn man in einem Café sitzt und irgendwie in einem. Ja, einem Vater-Tochter-Gespräch, aber auf Augenhöhe. Ich habe noch ein paar andere Bücher, Wolfgang. Ich würde sagen, die schicke ich dir dann einfach und dann packen wir die in die Shownotes, oder? 
Wolfgang Schoch
00:52:55
Sehr, sehr gerne. Ähm letzter Nachhaltigkeitstipp, wenn man Interesse an den Büchern hat, soll man die Liebe in der lokalen Bücherei ausleihen, sondern die im lokalen Buchshop kaufen oder soll man die sich als E-Book kaufen? 
Ann-Christin Neuenstein
00:53:07
E-Book lohnt sich tatsächlich erst, wenn man viel Leser Leserinnen ist, dann macht das Sinn ähm Buchhandlungen unterstützen um die Ecke bin ich krasse Freundin von. Also da bin ich sehr sehr. Ja, sehr offen für und mache das auch gerne. Ähm da kann man nicht so genau sagen, was jetzt am nachhaltigsten ist, weil nämlich Autorinnen und Autor, also die müssen halt auch von etwas leben. Oh Bücherei finde ich auch toll, weil man das Ganze hat. Da kann man sich glaube ich das raussuchen, wo man sagt, da passe ich jetzt am besten zu, so wie's mit der Nachhaltigkeit auch ist, ist es kein Schwarz-Weiß, sondern es ist vielseitig. 
Wolfgang Schoch
00:53:45
Das ist ein sehr schönes Schlusswort. Ann-Christin, vielen Dank für das Gespräch. So, das war das Gespräch mit Ann-Christin. Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht. Ich freue mich, wenn ihr auch bei der nächsten Folge wieder mit dabei seid. Genauso freue ich mich aber auch über Feedback. Sehr gerne per E-Mail an Feedback at tausend Geschichten Punkt DE oder als Kommentar auf Instagram. Dort findet ihr den Podcast unter ad tausend Geschichten Podcast. Euch der Podcast gefallen hat, dann empfehlt ihn doch euren Freunden weiter oder gebt mir eine Sternebewertung bei Apple Podcast oder bei Spotify. Gesund und tschüss bis zum nächsten Mal. 

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