Tausend Geschichten

Wolfgang Schoch

Marlis und das Leben mit chronischen Krankheiten

Marlis leidet seit Jahren unter chronischen Beschwerden. Das äußert sich bei ihr so, dass sie beispielsweise Dinge nicht verträgt und ständig Schmerzen hat.

10.01.2022 78 min

Marlis leidet seit Jahren unter chronischen Beschwerden. Das äußert sich bei ihr so, dass sie beispielsweise Dinge nicht verträgt und ständig Schmerzen hat. Im unserem Gespräch erzählt sie, wie sie damit umgeht und und warum ihr gerade Humor dabei hilft, gut durch den Alltag zu kommen.

Die verwendete Musik stammt von Joseph McDade und heißt On The Verge.
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Für diese Folge von Tausend Geschichten gibt es ein vollständiges Transkript. Dieses Transkript wurde automatisiert erzeugt und nicht nachbearbeitet oder korrekturgelesen. Es wird daher sicher Fehler enthalten. Das Transkript ist als Ergänzung zu verstehen, um beispielsweise die Inhalte durchsuchbar zu machen. Im Zweifel gilt immer das gesprochene Wort aus der Folge.

Shownotes
Tausend Geschichten auf anderen Kanälen
Credits
Host & Produktion: Wolfgang Schoch
Gästin dieser Folge: Marlis
Musik: On The Verge von Joseph McDade

Transkript

Die Episode zum nachlesen.

Hallo bei Tausend Geschichten. Ich bin Wolfgang Schoch und in der heutigen Folge unterhalte ich mich mit Marlis. Marlis leidet seit Jahren unter chronischen Beschwerden. Das äußert sich bei ihr so, dass sie beispielsweise Dinge nicht verträgt und ständig Schmerzen hat, In unserem Gespräch erzählt sie, wie sie damit umgeht und warum er gerade Humor dabei hilft, gut durch den Alltag zu kommen. Jetzt geht's los und ich wünsche euch viel Spaß beim Zuhören. Hi Marlis. Du, ich habe mal eine Frage direkt an dich. Über was hast denn du heute schon gelacht? 
Marlis
00:00:41
Gute Frage. Ich glaube grade über unser Vorgespräch äh dass wir mittlerweile so alt sind wie unsere Eltern und uns darüber lustig machen, wie Jugendliche sich kleiden oder auch nicht kleiden. 
Wolfgang
00:00:55
Ja ähm was jugendliche Kleidung angeht, muss ich sagen, ich habe ja heute extra hier so einen Hoodie angezogen, um mich ein bisschen jünger zu machen. Hat anscheinend nicht so gut geklappt Aber du hast mir gerade eben erzählt, dass äh Humor für dich brutal wichtig ist. Und äh man sagt ja immer gerne, ja, man hat manchmal nix mehr zum Lachen und ich würde sagen, dass das ein Spruch ist, der auf dich gar nicht passt. 
Marlis
00:01:18
Ja, damit kannst du Recht haben. Also Humor bestimmt schon einen sehr großen Teil meines Alltags. 
Wolfgang
00:01:25
Ich glaube um das richtig zu verstehen, was ich da grad gemeint habe, müssten wir wahrscheinlich mal ein paar Jahre in die Vergangenheit springen uns mal ein bisschen anschauen, was so die letzten korrigiere mich bitte die letzten zehn, fünfzehn oder noch mehr Jahre so alles erlebt hast. 
Marlis
00:01:40
Genau. Kannst du die goldene Mitte nehmen? Ich glaube, es dürfte jetzt so ja zweitausendacht oder so gewesen sein, also so dreizehn Jahre ungefähr. 
Wolfgang
00:01:48
13 Jahre Dann lass uns doch da mal zurückspringen. Zweitausendacht, da war ich noch junge 28, war grad in den letzten Zügen von meinem Informatikstudium und da wusste man nicht, was auf mich zukommt, aber ich hatte damals keine großen Sorgen. Mir ging's damals ja ganz gut. War noch ein bisschen besser in Form als heute. Wie sah's denn bei dir zweitausendacht aus? 
Marlis
00:02:09
Ja mir ging's äh die ersten Monate auch noch ganz gut. Ich war äh hm knappes Jahr mit meinem Abi fertig, also auch auch in den Endzügen und eigentlich ging es mir ganz gut. Ähm ich war kurz vor meinem Studium, habe ein bisschen gejobbt, war im Urlaub, und eines Tages habe ich Magenprobleme bekommen, also so ein Völlegefühl, was man so kennt, wenn man, wenn man an Weihnachten sich so ein bisschen über übergegessen hat ja, ich glaube, das trifft's ganz gut. Und ähm ja das ist immer schlimmer geworden und ich habe dann erstmal so alle gängigen Arztbesuche, Medikamente und so weiter durch was man so durch äh machen konnte gemacht, Was damals noch recht wenig war und konnte plötzlich auch immer weniger essen, ohne dass es mir richtig, richtig schlecht dabei ging. 
Wolfgang
00:03:00
Aber das kam aus heiterem Himmel einfach. Also du hattest vorher noch nie irgendwie so Magenprobleme, außer vielleicht jetzt wirklich mal an Weihnachten oder wenn's irgendwo ein All-You-Can-Eat-Buffet gab. 
Marlis
00:03:10
Genau, also. Genau, also ich konnte davor auch morgens nach dem Club so den den Döner um vier essen, überhaupt gar kein Problem, also von der Seite kam ich und äh ich kann mich bis heute dran erinnern, wie wie dieser Tag war, als ich morgens aufgewacht bin und dieses Völlegefühl hatte, ich kann mich bis heute dran erinnern, was ich da anhatte, wie ich zu meiner Ärztin gefahren bin, also ganz ganz merkwürdig. 
Wolfgang
00:03:33
Okay. Und wie ging's dann weiter? Also ich meine, du wachst morgens auf, du hast so ein Gefühl du kannst es vielleicht nicht so richtig zuordnen, weil's am äh am Tag davor jetzt keinen langen Clubbesuch mit Döner gab. Und es geht einfach nimmer fort. Das bleibt einfach. 
Marlis
00:03:50
Ja, also das das waren am Anfang erst so einzelne Tage, dann wurde das immer oder kam immer öfter, dann wurden die Phasen immer länger und gleichzeitig habe ich immer weniger Lebensmittel vertragen. Ja dann fängst du beim Hausarzt an und dann ging's über die Jahre weiter zum Gastroenterologen, zum Internisten, wirst auf alle Unverträglichkeiten getestet, die es gibt, äh kriegst Magenspiegelungen, Darmspiegelung, alles was man in dem Alter gar nicht will, da will man nämlich eigentlich sein Leben genießen und feiern. Und mir ging's immer immer schlechter und bei mir war dann irgendwann der Punkt, wo ich halt einfach nur noch überlebt habe. Genau und. 
Wolfgang
00:04:26
Ja. Wenn wenn du jetzt sagst, du hast immer weniger Lebensmittelvertragen, heißt das dann, du hast so ein bisschen durchexperimentiert und hast gesagt okay, was sind vielleicht so Klassiker, so Milch vielleicht, wenn da Laktose drin ist oder Gluten oder vielleicht irgendwelche anderen Dinge und du hast dann einfach mal ein bisschen ausprobiert, ob du eine Reaktion spürst, wenn du was isst. 
Marlis
00:04:45
Ja, das hat ein bisschen gedauert. Also so die ersten ein, zwei Jahre war das wirklich so äh wusste gar nichts. Ich hatte keine Ahnung von Ernährung, ich habe damals auch keinen Sport gemacht. Ich habe halt gegessen, was da war, was gekocht wurde. Ich hatte gar keine Ahnung von dem Thema. Ich glaube, die Wendung kam dann erst, als ich, das muss zweitausendneun gewesen sein, im im Krankenhaus war in Stuttgart und die mich einmal durchgecheckt haben und es dann hieß, naja sie haben nichts aber wir glauben, dass jemand Reizdarmsyndrom. Das ist also das Klassische, was man so hat, ist äh durch Stress verursachter Durchfall, das hatte ich aber nicht. Bei mir ist es eher so so ein ja Völlegefühl, so ein aufgebläht sein und bei mir kommt es von der zweithäufigsten Ursache sehr viel Antibiotika, dass man in der Kindheit oder der Jugend bekommen hat. Dadurch wird eben die Darmflora und das ganze System so zerstört und kaputt gemacht, dass es halt dazu kommt und man auch Unverträglichkeiten entwickelt, also gar nicht Allergien, sondern wirklich Unverträglichkeiten. Und erst als ich das hatte und damals kannte man das Wort Reizdarmsyndrom oder Reiz dann noch überhaupt nicht und es gab keine Lektüre. Es gab so. Vereinzelt englische Lektüre oder aus Amerika, die sich da schon ein bisschen mit auskanten ich mich angefangen mal wirklich mit dem Thema Ernährung zu beschäftigen und erst dann über die Jahre war das wirklich so, genau wie du gesagt hast, man lässt mal Gluten weg, wenn man dann erstmal überhaupt weiß, was ist denn Gluten und was ist denn eine Laktoseintoleranz und so weiter und testet sich so durch und dann hat es ja ich würde sagen so bis 2013 gedauert bis ich wirklich so einen Fahrplan hatte. Das sind so die paar Lebensmittel kann ich ganz gut vertragen. Du erinnerst dich ja dran, als wir uns kennengelernt haben. Da habe ich sehr viel Brezeln gegessen. 
Wolfgang
00:06:31
Ja, da kann ich mich noch gut dran erinnern, dass du dich gefühlt nur noch von Brezeln ernährt hast und ich fand das damals schon so ein richtiges Kuriosum. 
Marlis
00:06:39
Ja und das liegt eigentlich nur daran, dass ich A glücklicherweise brezeln als Schwabe ganz gut mag äh und ähm die eben auch vertragen habe und an dem Punkt schon so lange dadrunter gelitten habe. Also das war wirklich so, dass ich nur noch gearbeitet habe und froh war, wenn der Tag rum ist und ich ins Bett gehen konnte und das war wirklich nur noch ein Überleben über Jahre, da dann auch gar keine Nerven mehr hatte mich zusätzlich noch mit irgendwelchen anderen Lebensmitteln äh zu beschäftigen, Ähm und was vielleicht noch interessant ist, mir hatte damals der Arzt gesagt, ich soll das machen, auch Leute, die Neurodermitis haben, oder Nahrungsmittelallergien, so eine Ausschlussdiät machen, also du isst eine Woche lang nur Reis und Wasser, alle Allergene einmal so rausschwimmt aus deinem Körper, Und dann testest du nach und nach in einem bestimmten System verschiedene Lebensmittel und so kriegst du eben raus, was du verträgst oder was du nicht verträgst. Das ist aber halt wahnsinnig kompliziert und langwierig. Das habe ich gemacht und war aber irgendwie bei den zweiten Lebensmittel, das ich neu getestet habe, habe ich schon wieder nicht vertragen und war dann so genervt, dass ich frustrind aufgegeben habe und es erst Jahre später wieder wieder in Angriff genommen habe. 
Wolfgang
00:07:45
Es ist im Prinzip so eine Art ja Isolation, dass du jetzt wirklich dann ein Lebensmittel ausprobierst und dann halt direkt merkst, ob da ob da was mit deinem Körper passiert. 
Marlis
00:07:53
Ja, das Schlimme ist, das passiert gar nicht unbedingt direkt, sondern es kann bis zu zweiundsiebzig Stunden dauern, weil manche Sachen kommen ja auch erst später an, werden später verdaut, das heißt du kannst natürlich nicht jeden Tag was Neues testen, sagen, wenn ich heute Spinat gegessen habe und ihn vertragen habe, vertrage ich Spinat, sondern du musst halt so lange warten und wenn du was nicht vertragen hast, und du würdest jetzt zwei Sachen essen, wüsstest du wieder nicht, kann das jetzt von, keine Ahnung, den Tomaten gestern oder den Zucchini vorgestern. 
Wolfgang
00:08:19
Das heißt ja letztendlich, du müsstest dann so die Spinat-Woche einlegen, dass du wirklich sagen kannst, okay Spinat äh ich vertrag's so, aber ich kann's jetzt nimmer sehen, weil ich das eine ganze Woche gegessen habe. 
Marlis
00:08:29
Das ging mir mit dem Reis schon so. Nee, also man hat ja schon auch so äh irgendwann so ein bisschen raus. Also ich weiß zum Beispiel, wenn ich jetzt Zwiebeln im Essen habe, dann vertrage ich's nicht, Beim Apfel ist es auch schwierig, aber keine Ahnung, Tomaten ging ganz gut, dann fange ich halt vielleicht mit den Tomaten an und weiß, dass andere vertrage ich eh nicht. So hat man ja dann über die Zeit schon so ein bisschen ein Gespür und, musste das aber auch nicht eine ganze Woche machen, sondern das reicht dann, du testest das irgendwie über drei Tage oder so und dann checkst du's halt in der Liste ab, habe ich vertragen oder habe ich nicht vertragen. Dann kannst du schon wieder das nächste testen. Und das habe ich Jahre später dann wieder gemacht und so tatsächlich auch zu der Ernährung gefunden, die ich jetzt habe. Also quasi so ein so ein Baukasten an Lebensmitteln, die ich vertrage, aus denen ich dann, mich zusammenbastle sozusagen. 
Wolfgang
00:09:20
Aber ich ich muss es nochmal nachfragen. Damals 2013 so zu deiner Brezelzeit, wo wo du wirklich was Ernährung angeht, wirklich so ein Tief hattest, wo wo du nicht viel vertragen hast. Was was war das dann noch außer einer Brezel, weil als mal ganz ehrlich von einer Brezel allein oder auch von zwei Brezeln allein am Tag da kann ja niemand wirklich dauerhaft überleben oder? 
Marlis
00:09:43
Ja, also was ich äh essen kann, was ich damals auch schon essen konnte, sind alle Arten an Reiswaffeln, Maiswaffeln, was es nicht alles gibt. 
Wolfgang
00:09:51
Aber das sind diese leckeren, runden Pappstücke ausm ausm Drogerieladen, oder? 
Marlis
00:09:55
Genau, die zum Beispiel, das sind die einzigen, die ich nicht esse, weil die finde ich auch widerlich. 
Wolfgang
00:09:59
Äh die das sind die Einzigsten, die ich kenne, diese Dinger, unterschiedliche Farben und die einzige Sorte, die wirklich schmeckt, ist die mit Schokolade drauf. 
Marlis
00:10:06
Ja, die die ist auch sehr lecker. Nee, aber es gibt mittlerweile auch echt gutes Zeug, also so auch Quinoa und also vor allem Maiswaffeln, die sind nicht so so pappig, sondern die sind eher so ein bisschen ja wie so weiß gar nicht, wie man das beschreibt. Popcorn, nur halt salzig und als Waffel, also nicht so pappig. Halt auch mit mit Gewürzen, mit Leinsamen und so und das schmeckt schon ganz gut und auch so Nussmuse, die du draufschmieren kannst. Avocados konnte ich äh schon immer essen, aber tatsächlich einfach wirklich viel Brot und und Brötchen und Brezeln ähm dass ich einfach gut vertragen habe. 
Wolfgang
00:10:42
Wie wie ist das für den Alltag gewesen? Also wenn wenn man zu krass eingeschränkt ist, was so die Ernährung angeht und auch immer wieder mal irgendwie Probleme hat, weil man vielleicht jetzt was gegessen hat, dass man nicht verträgt oder vielleicht auch umsonst irgendwie nochmal äh der Körper das äh ja keine Lust hat. Wie wirkten sich so was auf den Alltag aus? Ich stelle mir das ultrabelastend vor für den Alltag. 
Marlis
00:11:04
Ja ist es auch. Also das fängt ja schon an wie egal wo ich bin, muss ich immer schauen, dass ich was zu essen dabei habe oder irgendwas organisieren kann. Schlimm war's in der Zeit als ich mal zwei Jahre lang kein Gluten gegessen habe, weil da kannst du auch nicht mal zum Bäcker laufen und damals war das ja auch noch nicht so, dass es wie wie jetzt so ein riesiges Angebot gibt. Das ist so äh. Damals hast du auch noch nicht irgendwie eine laktosefreie Milch äh im Café bekommen oder so. Das heißt, ich bin immer mit so einer kleinen Glasflasche mit Milch rumgelaufen. Und hatte meistens irgendwie immer ein paar Brezeln oder Waffeln oder sonst was dabei. Äh also das kriegt man schon organisiert, was halt zusätzlich ist, äh ich meine, das ist ja klar, du kriegst gar nicht so viel Energie aus so ein bisschen Weißmehlgebäck raus, das ist ja also das heißt, ich bin sowieso einfach nie völlig richtig ernährt und und auch so fit, also ich kann da gar nicht so viel rausziehen aus den Lebensmitteln, das merke ich schon auch Aber es kommt halt auch so Sachen dazu wie ich kann nie essen gehen. Ja also und selbst wenn mittlerweile wenn wenn ich sage äh, bereitet mir das so zu, dann kann ich trotzdem letztendlich nicht sagen, ich vertrage es auch wirklich und ich esse zum Beispiel auch abends nicht, weil ich gemerkt habe, das vertrage ich einfach nicht und das heißt so dieses klassische Essen gehen fällt für mich schon mal flach. Ich gehe dann schon mit und ich das ist auch für mich in Ordnung, wenn wenn ich dann mitgehe und die anderen essen, Aber das ist für die anderen oft viel schlimmer als für mich oder viel unangenehmer. Und was halt wirklich auch ein Thema ist, ist so äh bei der Arbeit. Also. Ich kann mich dann mittags auch nicht jeden Tag irgendwie einem Mensa in eine Kantine setzen. Ich kann nicht mit zum Döner ähm lauter so Sachen, das fällt halt alles weg. 
Wolfgang
00:12:43
Ja das Essen ist halt schön. Das Essen ist halt schon so eine super soziale Komponente. Also ob man jetzt abends mit einem Freunden essen geht oder wie du's jetzt gesagt hast, mal mittags irgendwie zum Döner-Laden geht oder in der Kantine. Das hat ja auch so eine krasse soziale Komponente. 
Marlis
00:12:58
Ja und das Schlimmste ist, ich esse ja auch total, gell? Und ich würde das ja alles auch total gerne essen. 
Wolfgang
00:13:03
Noch schlimmer. 
Marlis
00:13:04
Ja ja das ist schade, aber gut, man muss halt auch da das Beste draus machen. 
Wolfgang
00:13:12
Ja was hast du denn da draus gemacht? Also wir waren erst 2013 stehen geblieben wo du wirklich so äh ja ernährungstechnisch ganz unten warst, wo du nur noch ein bisschen Brezel und ein bisschen Reiswaffel essen konntest. Und ich habe dir das ja gerade schon zu deinen Aussagen entnommen, dass das heute so ein bisschen besser ist. 
Marlis
00:13:30
Viel besser sogar. 
Wolfgang
00:13:31
Viel besser und so zwischen 213 und 2021 da liegen ja ein paar Jahre. Wie ging's denn da 2013 weiter? Du hattest die Diagnose, dass du dieses Reizdarmsyndrom hast? Und du hattest so eine Hand voll Lebensmittel, die du ein bisschen essen kannst, um das halbwegs im Griff zu haben? 
Marlis
00:13:49
Ja ähm das war so, dass ich Also ich bin bis heute davon überzeugt, dass ich keinen Reizdarm habe oder auf jeden Fall nicht das, was man unter klassischem Reizdarm versteht. Äh komme ich auch gleich drauf zurück, wieso ich das glaube. Ich war dann Anfang 2013 an einem Punkt, an dem ich gesagt habe, so kann's nicht mehr weitergehen. Also. Ich hatte keinen Bock mehr für mich, weil das ja wirklich nur noch überleben und ich gedacht na ja ich war damals Anfang zwanzig, da habe ich keine Lust das mein Leben lang so weiter zu machen. Dann hatte ich sowieso im Januar zwei Wochen Urlaub und habe gedacht so und jetzt fange ich das nochmal von vorne komplett an, habe wieder mit dieser besagten äh Reisdiät angefangen und hab's aber diesmal durchgezogen und ich Mal war ich halt an dem Punkt, dass ich schon sehr sehr viel mehr gelesen hatte über Ernährung und halt wirklich auch drin war und wirklich richtig drin so drin, dass ich wusste, wie viel Eiweiß und, Fett und Kohlenhydrate brauche ich am Tag. Also ich war dann richtig im Thema und wusste aber eben auch schon irgendwie, es gibt die und die und die Lebensmittel, die vertrage ich wahrscheinlich ganz gut. Fange mit denen an. Und das habe ich auch gemacht und habe das dann auch bewusst im Urlaub gemacht, weil das am Anfang natürlich schon echt stressig ist. Auch so diese denkst automatisch den ganzen Tag nur ans Essen, weil du ja die ganze Zeit überlegst, so vertrage ich das jetzt und äh was probiere ich als nächstes und ich muss es mir aufschreiben, muss die ganze Zeit Buch drüber führen, wie geht's mir, wann und so weiter. Das dann aber relativ schnell so nach den ersten zwei, drei Sachen, die ich, tatsächlich dann auch vertragen habe, ein bisschen lockerer gesehen, weil ich gemerkt habe, na ja, das, was ich vermute, dass ich ganz gut vertrage, das vertrage ich auch. Habe das dann einfach über die nächsten Monate so weiter gemacht und hatte dann irgendwann eben so einen Baukasten aus, verschiedensten Lebensmitteln, also was ich leider gar nicht gut vertrage, ist Obst. Ich kann fast gar kein Obst essen, und auch sehr wenig Gemüsesorten und das kann sich auch immer mal so ein bisschen verändern. Ich habe jetzt kürzlich erst wieder festgestellt, dass ich Zitrusfrüchte essen kann. Konnte ich jetzt zehn Jahre lang nicht. 
Wolfgang
00:15:43
Okay, das ändert sich dann einfach. Du konntest zehn Jahre keine Zitrusfrüchte essen und jetzt funktioniert die Zitrone, die Orange wieder. 
Marlis
00:15:50
Genau. Ich hatte auch schon mal irgendwie ein Jahr, da konnte ich keine Karotten mehr essen, dann geht's wieder. Man weiß es nicht, also. 
Wolfgang
00:15:57
Da wird's nicht langweilig, oder? Also ist nicht. 
Marlis
00:15:59
Nee, auf gar keinen Fall. 
Wolfgang
00:16:01
Ich habe jetzt einmal herausgefunden, äh die 34 Lebensmittel funktionieren bei mir. Die kombiniere ich jetzt, sondern das ist nur eine Momentaufnahme dann. 
Marlis
00:16:08
Ja, aber das ist selten. Also es ist schon so, dass dass es irgendwie so neunzig Prozent bleibt und mal geht was, mal kommt was und. Dann war's tatsächlich so, dass ich irgendwann gesagt habe, okay, damit komme ich jetzt ganz gut klar und das hatte zwei wirklich gravierende, ja, Wendungen. Zum einen, dass ich gemerkt habe, meine Beschwerden lassen sich so vielleicht zu 70 Prozent wirklich mit meiner Ernährung beeinflussen. Das das Zweite war ähm jetzt habe ich vergessen, was ich sagen wollte. Was war denn das Zweite? Gehe noch mal zurück auf auf das erste Thema äh weil ich halt gemerkt habe na ja wenn ich jetzt damit schon so viel beeinflussen kann. Dann ist schon mal ein Großteil meines Tages einfach viel, viel besser. Was tatsächlich so ist, weil du nicht mehr die ganze Zeit Angst haben musst, dass es mir schlecht geht. Also, und das ist über die Jahre einfach so gut geworden, dass mittlerweile das einfach nur noch so im Hintergrund mitläuft. Also es gibt schon Tage, da geht's mir echt nicht gut, weil und da weiß ich dann auch nicht, was ich falsch gegessen. Wenn ich mir jetzt eine Pizza reintiebe, abends, dann weiß ich am nächsten Tag, wofür und das war's dann, ja? Ah, jetzt ist mir auch wieder eingefallen, was ich sagen wollte. Nächste gravierende Unterschied war, dass ich seit ich das eben mache äh nicht mehr immer ich stelle mir das immer so als Fass vor, die ganze Zeit bin ich so ein so eine volle Regentonne, die so kurz vorm Überlaufen ist und ich kippe immer irgendein Essen, was ich nicht vertrage oben rein und das Ding schwappt über. Und seit ich aber eben weiß, was ich vertrage, ist der Stand in dieser Tonne sehr sehr niedrig, Wenn ich dann mal irgendwas esse, bewusst esse oder unbewusst, was ich nicht vertrage, dann steigt es zwar, vielleicht shoppt ihr auch über, aber es geht ganz schnell wieder vorbei, Wenn ich was Falsches esse, dann leide ich nicht eine Woche, sondern ja dann geht's mal den nächsten Tag nicht, und das hat mich dazu äh gebracht, dass ich für mich eine eigene Regel habe, weil auch ich vermeide ja nicht alles knallhart, auch ich bin nur ein Mensch und will mal eine Pizza und äh habe tatsächlich die Regel, dass, Wenn ich eine Woche lang auf was richtig Lust habe, also nicht nur so ein auf, ich hätte jetzt gern Spaghetti Bolognese, sondern wenn ich wirklich merke, ich habe jetzt seit einer Woche richtig Bock drauf. Dann esse ich's. Und dann, wenn ich weiß, ich habe am nächsten Tag nix vor und leide dann bewusst. Aber das kann ich einfach total mit meinem Gewissen vereinbaren, Dann nehme ich auch in Kauf, dass es mir mal nicht so gut geht. 
Wolfgang
00:18:38
Und das ist dann aber auch äh in dem Fall, du planst es dann auch und sagst okay, morgen ist ein Tag, wo's okay ist, wenn's mir nicht gut geht, aber jetzt keinen wichtigen Termin oder irgendwie eine Verabredung oder so, sondern da kann ich mich jetzt wirklich dem Leiden hingeben. 
Marlis
00:18:53
Genau, es ist idealerweise dann halt Samstag oder Sonntag. Also im Vergleich ist es wahrscheinlich wie für andere ein richtiger Katers. Nur dass es dann halt bei mir nicht irgendwie die Flasche Wein war. Das gibt's schon auch. Aber das ist dann in dem Fall nicht der Wein war, sondern halt keine Ahnung, ich weiß es nicht was, kann auch nur ein gemischter Salat gewesen sein. 
Wolfgang
00:19:14
Na ja, du hast ja vorhin gesagt, dass du so ein paar schwäbische Wurzeln hast. Das heißt, du könntest ja eigentlich beides kombinieren. Also wirklich die dicke Lasagne plus den Wein, dann geht's dir am nächsten Tag vielleicht schlecht, aber jetzt nicht doppelt so schlecht als ob du nur was isst oder nur den Wein trinkst, sondern du gewinnst da noch ein bisschen. Ist wahrscheinlich für einen Schwaben dann oder in Schwäbin ein ganz guter Deal. 
Marlis
00:19:36
Ja, also ich habe ja nicht nur schwäbische Wurzeln, ich bin ja Original-Stuttgarterin, deshalb dachte ich grade an äh mehrere Gerichte kombinieren, weil wir haben nämlich tatsächlich auch schon Maultaschen-Pizza gemacht. Also es es gibt nichts, was nicht nicht möglich ist. 
Wolfgang
00:19:48
Oh Gott, das heißt okay, aber für dich natürlich mega praktisch. Du machst diese Maultaschen, Pizza und als Topping kommt noch Bolognese oben drauf irgendwie. 
Marlis
00:19:56
Und ich leide nur ein Mal. 
Wolfgang
00:19:58
Großartig wurde und natürlich den Wein dazu noch. 
Marlis
00:20:01
Ja, der sowieso. Das muss ja irgendwie runtergespült werden. 
Wolfgang
00:20:03
Aber du sagst jetzt äh mit der Ernährung, die du jetzt hast, kannst du so siebzig Prozent von den ganzen Beschwerden gut im Griff behalten. Ab und an hast du einfach mal Lust und gehst bewusst so in die ja in den roten Bereich rein, weil du dir auch mal was gönnen möchtest und das nicht nur wie eine äh wie eine ja Klosterschülerin, sagt man das so irgendwie leben möchte. 
Marlis
00:20:27
Habe auch dran gedacht, ja. 
Wolfgang
00:20:29
Dachte gerade an den Mönch, aber ich dachte wir, was ist ein weiblicher Mönch? Ist das eine Klosterfrau? Melissengeist. Ich weiß. 
Marlis
00:20:36
Ja irgendwie so einer wird schon sein. 
Wolfgang
00:20:39
Ich bin äh nicht so äh nicht so fest im Kloster-Game. Aber das heißt, dreißig Prozent sind dann noch so ein bisschen Zufall, wenn's dir schlecht. 
Marlis
00:20:47
Also ich nenne das immer irgendwie so Willkür, also was ich schon merke, es sind so Sachen, ich glaube, das hat tatsächlich einfach mit mit dem falsch sitzen zu tun, also zum Beispiel wenn ich irgendwie lang im Auto, im Zug oder im Kino sitze Weil's da irgendwie dann halt, mein nennen wir's wie es ist, das ist halt Loft, die im Magen und im Darm ist und wenn du da halt irgendwie mal blöd sitzt, dann verrutscht es oder so. Ne, also ich kann das dann nicht beeinflussen, aber so ja. Das ist sehr selten. Also es ist mittlerweile wirklich so, dass es nur noch so wie so ein Grundrausch mitläuft, aber ich das gar nicht mehr so richtig wahrnehme. Und das ist eigentlich so. Also ich mache mir jetzt selten Gedanken drüber. Also es gibt mal Tage, da denke ich so, was ist das jetzt? Aber ja ich glaube wirklich den den Großteil der Zeit und für mich ist das auch einfach so völlig normal geworden, dass ich halt nur. Die wenigen Sachen essen kann, dass ich nicht mit essen gehe oder dass ich halt vor allem auch immer gleich sage, warum ich nichts essen kann Weil das hilft nämlich auch äh also ja man muss da halt mal durch und zu sagen hey so sieht's aus, ich kann das nicht essen, weil ich vertrage einfach nichts und so weiter. Aber meistens ist das gar kein Problem, weil die Leute dann vielleicht sind sie neugierig und fragen was. Vielleicht sagen sie auch nur ja passt für mich. Aber, Dann ist quasi so der Elefant im Raum weg, ja? Keiner denkt, du hast irgendwie eine Essstörung oder du willst nicht mit den Leuten zusammen essen oder keine Ahnung was, ne, das das ist dann einfach schon mal weg und das ist viel, viel einfacher. Das habe ich tatsächlich auch in den in den letzten Jahren an Erfahrung gemacht, dass einfach sofort drüber sprechen und dann entstehen schon ganz viele Probleme gar nicht. 
Wolfgang
00:22:21
Ja, das glaube ich du sofort. Ähm aber ich kann mir auch vorstellen, dass das nicht einfach ist über so was zu sprechen. 
Marlis
00:22:28
Ist es auch nicht. 
Wolfgang
00:22:29
Wie hast du denn also A war das von Anfang an für dich so ein Ding, dass du gesagt hast, hey servus, ich bin die Marles, ich habe hier irgendwie eine Krankheit und ich kann deswegen gar nichts essen und ich Weiß nicht, ob ich essen kann. Ich musste spontan entscheiden, aber stört euch net dran? Oder war das für dich ein Prozess, dass du soweit gekommen bist? 
Marlis
00:22:47
Ja, das war auf jeden Fall ein Prozess. Also am Anfang war das nicht so, ich habe dir das ja vorhin auch schon im Vorgespräch gesagt. Ich habe mich auch früher einfach überall hingequält. Also ich bin dann hingegangen. Ich habe auch meistens was gegessen, einfach weil ich nicht auffallen wollte, weil ich nicht zum 100 Mal erklären wollte, was los ist. Ich teilweise auch selber noch gar nicht wusste, was los ist. Irgendwann aber festgestellt habe, na ich leide die ganze Zeit und vielleicht sollte ich halt einfach doch mal was sagen und. So das erste Mal, ich ich kann auch nicht sagen, was, wann, wann es so das erste Mal war oder so, aber je öfter ich das gesagt habe und und ich glaube, es ist wichtig, dass in so einem Umfeld äh, probieren, dass einem vertraut ist, also grad irgendwie so Familie, Freunde und so weiter weil natürlich ist das nochmal was anderes, wenn du das, nur Bekannten erzählst oder Arbeitskollegen oder so was einfach auch ein Thema ist ähm aber man merkt, quasi jedes Mal wie es leichter wird und wird vor allem auch immer mit äh mit einem gut oder fast immer mit einem guten Gefühl belohnt und ich glaube man muss sich auch sagen. Na ja und wenn halt mal jemand blöd reagiert, was ich übrigens fast noch nie erlebt habe, also ich könnte jetzt nicht mal ein konkretes Beispiel nennen ja dann ne, dann kann ich mit den Menschen halt nix anfangen. So ist es einfach. Ähm, ja 
Wolfgang
00:24:08
Ich habe da gerade auch drüber nachgedacht, äh wie könnte man denn auf so was blöd reagieren? Und mir fällt da auch irgendwie gar nix ein. Also wenn wenn jemand sagt, hey ich habe irgendwie ein Problem mit meiner Gesundheit und ich kann deswegen jetzt nicht irgendwie mit euch essen gehen, aber ich komme mit und ich ich trinke halt vielleicht nur was oder ich bestelle mir vielleicht ein paar Pommes, weil die gehen ganz gut äh und dass jemand mir sagt, was was kann ich denn dadrauf irgendwie äußern, um dem Blöd zu kommen so. Aber fällt mir nämlich auch gar nix ein. 
Marlis
00:24:37
Ja, ich ich glaube, das ist auch viel, viel besser geworden. Also, wie gesagt, äh vor zehn Jahren, da wusste gar keiner, was Gluten ist. Selbst vegan hatten die meisten noch nicht gehört um was äh jetzt also selbst heutzutage hörst du dir, wenn du äh Veganer bist immer noch irgendwie Dummsprüche an oder so ähm, Ich glaube da sind die Leute einfach auch viel offener geworden und es ist mittlerweile auch völlig normal, dass du im Restaurant was vegetarisches, veganes, glutenfreies, laktosefreies, kriegst, dass es irgendwie im sogar im Discounter Ersatzprodukte gibt. Also ich glaube, das macht's einfach auch viel, viel einfacher und, tatsächlich auch ist, dass das Thema Reizdarm und auch so Darm einfach so populär geworden ist, dass. So viele drüber reden, drüber schreiben ähm drüber bloggen, es gibt so viele. Vermeintliche Medikamente, die man dagegen benutzen kann, dass das einfach so, natürlich geworden ist und da hat natürlich das Internet auch viel dazu beigetragen, weil du findest jetzt auch Leute, mit denen du dich austauschen kannst, mit denen du Erfahrungen austauschen kannst. Denkst du, ach krass Person XY hat das auch, ob du die jetzt kennst oder nicht und das ist tatsächlich auch ein Ding äh wenn ich wenn ich da offen drüber spreche, kannst dir nicht vorstellen, wie oft Leute sagen, ah ja, das habe ich auch oder so was Ähnliches habe ich auch oder ich kenne jemand, der so was hat. Viel viel öfter als man denkt und Das ist halt auch so äh glaube ich ein wichtiger Punkt zu wissen, man ist da wirklich nicht allein. Also man denkt immer so, das ist total exotisch, das hat kein Mensch. Ey, das haben einfach so viele Menschen oder generell Dinge, bei denen man glaubt, man ist da der einzige weirdo im Universum, nee, nee, auf gar keinen Fall. Es gibt so viele, die das mit dir teilen. 
Wolfgang
00:26:16
Ja du das finde ich absolut. Ich finde ein gutes Beispiel, was in diese Richtung geht. Das sind auch so psychische Erkrankungen. Das war ja, war ja sehr sehr lange so ein ganz krasses Tabuthema, wo niemand drüber gesprochen hat. Ich finde, das ist heute besser geworden. Es ist teilweise immer noch irgendwie ein Tabuthema, bei manchen Leuten. Aber in meinem Freundeskreis, in meinem Umfeld, äh komme ich glücklicherweise mit, dass man über solche Themen irgendwie so ganz offen spricht und nicht so, hey, ich muss euch mal was beichten. Ich war mal beim Psychologen, sondern ja, ich war letztes Jahr mal hier beim Psychologen, war echt gut, also wenn ihr mal einen braucht, könnt ihr euch empfehlen. Und ich finde dass es so super angenehm, dass man über solche Themen irgendwie sprechen kann, Freunden und ähm ja mit den Leuten, mit denen man sich halt sonst auch irgendwie äh abgibt Das ist halt ähm das ist einfach schön, dass so was kein Tabu-Dhema ist, weil das gehört ja dazu und ob ich jetzt irgendwie psychisches Problem habe oder ich habe jetzt irgendwie ein organisches Problem oder vielleicht auch so einen Anführungszeichen Tabuthemen war. Wie, oben mit meinem Darm ist irgendwas ganz schlimm, so hi, hi, hi. Ähm, Das ist schon cool, dass das sich so was so entwickelt und dass man da heute so drüber sprechen kann und es halt nicht mehr so äh äh ja so ein Tabu-Thema einfach ist. 
Marlis
00:27:25
Ja. Er ist genauso wie du sagst, es geht mir auch so. Also ich habe ja auch schon ähm bei einem Therapeuten eine Schmerztherapie gemacht. Ist zwar ein anderes Thema, aber ist halt auch Therapie, ja. 
Wolfgang
00:27:36
Was ist denn das, wenn ich fragen darf ganz kurz, eine Schmerztherapie? 
Marlis
00:27:40
Ja im Prinzip ist es, also es war bei einem Schmerztherapeut. Im Prinzip ist es eine Verhaltenstherapie. Ähm wo halt bei mir also es gibt eben dann Therapeuten, die sind speziell auf Schmerzpatienten. Spezialisiert, die sich damit auskennen. Also meiner zum Beispiel, der kommt ähm aus dem Schmerzzentrum im städtischen Klinikum hier. Hat da viel gearbeitet. Und die kennen sich halt dann auch mit so. Bewältigungsthemen, äh Bewältigungsstrategien für Schmerzen aus zum Beispiel. Also so wie es dann irgendwie Kinderpsychologen gibt oder Tiefenpsychologen oder Familientherapeuten, gibt's eben auch Leute, die so ein bisschen auf das Thema Schmerzen spezialisiert sind. 
Wolfgang
00:28:20
Ah okay, interessant. 
Marlis
00:28:21
Und das ist auch zum Beispiel jemand, den ich von einer Freundin empfohlen bekommen habe, den ich wiederum schon weiterempfohlen habe und wie du sagst, also das ist immer normaler, dass man über sowas auch spricht und sprechen kann und sich selber auch nicht so komisch vorkommt, ist ja nochmal ein Unterschied, ob man selber einfach da easy drüber spricht äh oder ob das Gegenüber auch so easy dadrüber spricht, weil sonst denkt man auch so, ja, ich rede da jetzt schon Man merkt ja oft, wie Leute da noch so ja gehemmt sind, ja. 
Wolfgang
00:28:48
Ja, wenn man wenn man über so was spricht und dein Gegenüber wird immer immer ruhiger und sagt ähm ja, du, wann warst denn du eigentlich zum letzten Mal im Kino, Marlis, was. 
Marlis
00:28:56
Ja genau. 
Wolfgang
00:28:57
Und äh kennst du so Situationen, wenn du gegenüber so das wo so mega unangenehm ist irgendwie, dass man über so was spricht, dass so was schon erlebt, ja? 
Marlis
00:29:05
Genau und meistens ist man dann schon so zu tief im Gespräch, dann hast du halt auch nicht einfach sagen kannst, so, so und äh übrigens, heute scheint die Sonne so schön, ja. Sondern du musst dir dann auch wieder die Kurve kriegen. Aber ja, das gibt's immer und ich glaube, das gibt's auch auf, Themen die äh die nichts mit Gesundheit zu tun haben. Fängt zwar mit einem falschen, eine falsche politische Diskussion an und du hast das gleiche Problem. Also das geht natürlich nicht nur für Krankheitsthemen. 
Wolfgang
00:29:29
Ja natürlich. Ja, aber ich find's, ich find's total schön, wenn man über so Themen spricht, weil du hast da grad eben was super Interessantes gesagt, äh man es wird einem klar, dass man jetzt nicht der Einzigste auf der Welt ist, der genau so was hat ich find's halt total wichtig, dass man halt, wenn man irgendwas hat, was ein bisschen seltener ist, wie vielleicht irgendwie eine Erkältung, dass man da auch mal drüber spricht dass eben andere Leute sehen, hey guckt mal, hier gibt's den Males, die hat irgendwie so ein Problem oder hey, hier gibt's einen Wolfgang, der vielleicht schon so ein Problem gehabt. Ja, es sind trotzdem noch ganz normale Menschen. Im Großen und Ganzen zumindest. 
Marlis
00:30:05
Ja, das stimmt tatsächlich und deshalb äh mache ich auch so gerne bei deinem Podcast mit, weil ich glaube, dass das wichtige selbst, wenn ich nicht weiß, ob ich irgendwie konkrete Hilfe irgendjemand leisten kann, aber ebenso dieses Normalisieren von Dingen, die vermeintlich nicht normal sind und eben auch Leuten zu zeigen. Äh ihr seid nicht alleine. Also mir ging's ja genauso. Ich habe ja nicht nur dieses Reizdarm-Thema, sondern ich bin ja chronische Schmerzpatientin und habe da auch schon einiges durchgemacht und und am Anfang denkst du so. Was habe ich da für komische Sachen und und warum hat es sonst niemand und. Naja und dann gehst du mal irgendwie so ein bisschen auf auf Suche und musst dann wirklich deine Sachen zusammensuchen und dann findest du was und wenn du irgendwann mal so den, richtigen Einstieg hast, dann merkst du so, Moment mal, es gibt einfach so viele Leute, die das auch haben und und, dann allein schon zu wissen, also man muss ja noch nicht mal direkt in den Austausch mit den Leuten gehen, aber einfach schon mal zu wissen, es gibt Leute, die haben das auch und es ist nicht selber völlig verrückt und bildet sich irgendwas ein oder so. Das gibt einfach schon mal so, Erleichterung, auch wenn's jetzt an der Situation selber erstmal gar nichts verändert, aber man weiß einfach so, man ist nicht allein damit und das gab's schon mal und nicht nur einmal, sondern sehr, sehr oft meistens. 
Wolfgang
00:31:21
Vor allem, wenn man weiß, man ist nicht die einzigste Person, das zeigt ja halt auch, dass es halt nicht irgendwie nur Zufall oder es ist nur wie Pech oder du hast irgendwie den Fluch erwischt. Deswegen bist du, sondern wenn was halt häufig passiert, ja, du dann passiert's halt einfach, gell? Ich ich glaube ähm das gibt ja vielleicht ja auch irgendwie so ein Mittel an die Hand, um damit um das besser zu verstehen irgendwie. Weil wenn was wenn was häufig vorkommt, okay, dann kannst du mich halt treffen. 
Marlis
00:31:47
Ja. Ja und ich glaube, es ist immer so der Trugschluss, nur weil man's noch nicht gehört hat, dass es das so selten gibt. Es ist halt genau das nur das Reden halt dann vielleicht nicht so viele Leute drüber. Das ist genau das, was wir mit den psychischen Erkrankungen hatten. Ja, das ist halt unangenehm und deshalb sagt man halt auch lieber nix ja und und wahrscheinlich ist da einfach die Dunkelziffer riesig. Aber die Leute trauen sich halt einfach auch nichts da was zu sagen, was ich auch nachvollziehen kann. 
Wolfgang
00:32:12
Na ja klar, ich meine wir leben in einem Land oder wir leben in einer Gesellschaft, wo Schwäche halt was schlechtes ist. Also. Wenn das so das klassische Beispiel ähm man redet vielleicht bei bei seinen Freunden über solche Themen, wenn man irgendwie so eine Erkrankung hat, als er aussetzen gebrochenen Arme, den sieht ja jeder. Ähm aber wenn man jetzt. So was hat wie du hast oder was Psychisches oder so, dann redest du vielleicht mit deiner besten Freundin, mit deinem Freund, mit deinen Kumpels oder so. Aber die nächste Frage ist, oh würde ich da jetzt zum Beispiel in der Firma drüber sprechen, weil da ist natürlich zum Glück nicht in allen Firmen so aber schon in der Gesellschaft verankert, dass Leistungen natürlich was total Wichtiges ist, Leistungsgesellschaft und Schwäche ist halt so ein bisschen ja äh steht der Leistung halt so ein bisschen entgegen einfach und ich glaube, das ist für viele einfach schwierig und da entwächst vielleicht einfach so ein Stigmata. 
Marlis
00:33:02
Ja total und das ist ja genau das, was du gesagt hast. Du siehst psychische Krankheiten nicht. Ob das jetzt irgendwie eine Depression oder eine Schmerzerkrankung oder eine Panikstörung ist oder so nicht und und wenn du es den Leuten erklärst es versteht keiner das ist genauso wie wie wenn du als Migränepatient sagst das Migräne und dann kommt einer zu dir sagt ja ich habe auch manchmal Kopfschmerzen, ne oder so äh irgendjemanden mit mit chronischen Rückenschmerzen und dann sagt der der Kollege so, oh ja, wenn ich den ganzen Tag am Rechner sitze, dann tut mir auch der Rücken weh. Das ist also man man kann das gar nicht verstehen und und, verstehe auch, dass Leute so was sagen, weil man will da irgendwie so ein bisschen Empathie entgegenbringen aber zum Beispiel ich muss auch aus heutiger Sicht sagen, ich hätte mir niemals vorstellen können, was man für Schmerzen haben kann, einfach weil ich's nie hatte und oder auch nie über so eine lange Zeit. Und das ist aber was ganz anderes, auch wenn du zum Beispiel äh keine Ahnung, gerade so Migräne wird ja auch immer äh, mehr, dass die Leute das verstehen, ja? Oder wenn du jemand sagst, ich habe keine Ahnung Krebs oder mir fehlt ein Bein oder ich sitze im Rollstuhl, das ist ein Sachen, entweder äh man sieht sie wirklich, oder die Leute können was damit verbinden. Also zum Beispiel mit Krebs. Das musst du ja nicht zwangsläufig sehen, aber da hat jeder gleich, oh ist was Schlimmes, ne und dann wirst du in Ruhe gelassen. Und das Thema mit ähm, sage ich's meinen Kollegen oder nicht oder generell beim Arbeitgeber, das finde ich auch ein sehr schwieriges Thema, weil. Wie du sagst, es gibt Arbeitgeber, da würde ich das auch nie sagen und und. Auch verstehen, weil die will ja auch nicht immer jeder was Gutes, wie du sagst, Leistungsgesellschaft und andererseits denke ich halt auch, Man kommt ja irgendwann an den Punkt, da wird schon auch mal auffallen, dass du halt nicht so leistungsfähig wie 100 also wie die anderen bist, ja? Und dann ist halt immer so die Frage, was macht man damit? Und ich glaube aber da gibt's nicht irgendwie so die allgemeingültige Lösung, sondern muss halt einfach, für sich den richtigen Weg finden, wie man damit umgehen kann. 
Wolfgang
00:35:00
Ja absolut, also wenn man solche Beispiele vielleicht mal auffassen möchte, also was Migräne angeht, äh ein guter Freund von mir, der hat Migräne und der hat so einmal im Monat oder alle zwei Monate, das ist für einen Anfall oder so ein Schub. Ich weiß nicht, wie es genau nennt. Und dann ist der für so eins, zwei, drei Tage, wenn's gut läuft, komplett außergefecht wenn schlecht läuft noch länger. Und ähm ich bin ehrlich, ich kann das nicht nachvollziehen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ist. Ich habe manchmal auch Kopfschmerzen, klar. Und er hat mir dann auch das schon erklärt, was dann wehtut und man sieht dann irgendwelche Farben oder solche Sachen. Das hört sich total krass an. Aber ich kann nicht nachvollziehen, wie das ist. Ich kann nicht sagen, boah, kann ich mir vorstellen. Aber ich kann mir vorstellen, wenn der gute Kerl sagt, hey, wenn mich so eine so was erwischt, bin ich drei Tage komplett kaputt, ich liege im Bett, ich lasse ich lasse den Rolladen runter, dass es dunkel ist. Ich stehe nur auf, wenn ich ganz dringend auf die Toilette muss und trinke sonst mal ein Glas Wasser und äh hoffe, dass das irgendwie schnell vorbeigeht. Finde ich das brutal krass. Finde ich das wirklich total krass sowas und vielleicht muss man's ja auch gar nicht nachvollziehen können, weil ähm du kannst vielleicht das gar nicht nachvollziehen, wie sich's wenn jemand also grad so Reizdarmsyndrom vielleicht kann mir das nicht vorstellen wie das ist. Ich kann mir's auch nicht vorstellen wie es ist, wenn ich nur noch fünf Lebensmittel essen darf. Ich glaube, das ist mega krass ist und wenn du mir das so erzählst und ich drüber nachdenke und denke boah, wie würden das mein Alltag einschränken? Ja, voll krass und ich bin echt dankbar, dass ich's nicht habe Aber nachvollziehen, da fehlt mir. 
Marlis
00:36:33
Nicht. Also schaue sogar ich als chronische Schmerzpatientin und ich habe ja wirklich auch richtig schlimme Schmerzen, auch so, dass ich schon in der Notaufnahme waren. Alles selbst ich kann mir nicht vorstellen, wie das mit Migräne sein muss, weil ich kenn's einfach nicht. Ich glaube, wichtig ist einfach nur, man versteht im Sinne von akzeptiert Dass der andere, dass es dem so geht, wie es ihm eben geht. Ja, das ist rein subjektiv. Schmerzempfinden ist immer subjektiv, ja. Und wenn du eh schon grundsätzlich angeschlagen bist, weil du nie 100 Prozent fit bist, dann wirkt sich das ja auch nochmal ganz anders aus, wie wenn du, keine Ahnung, einmal im Monat Kopfschmerzen hast. Dann kommt ja oft auch noch dazu ja nicht vorhersagen irgendwie keine Ahnung immer den 13. und 14. im Monat falle ich aus, sondern das ist halt völlig unberechenbar und wenn dann noch dazu kommt, dass du gar nicht weißt, was genau du hast und was es auslöst und wie du's beenden kannst, dann ist das natürlich für dich selber auch noch äh noch ein zusätzlicher Stress, weil du ja immer im Kopf hast und das kenne ich auch, wenn du morgens aufwachst äh oder wenn du abends ins Bett gehst, weißt du nicht, was der nächste Tag bringt. 
Wolfgang
00:37:39
Du hast ja überhaupt keine Kontrolle mehr über den All. 
Marlis
00:37:42
Genau. Ja. 
Wolfgang
00:37:44
Noch eine starke Fremdbestimmung, oder? Also wenn du wirklich äh keine Kontrolle hast, was dein Körper macht mehr oder weniger, äh dann ist ja jeder Tag, das ist ja nix planbar für dich. 
Marlis
00:37:55
Genau. Also du. 
Wolfgang
00:37:56
Gar nichts mehr planbar. 
Marlis
00:37:57
Genau, also du kannst dich irgendwie so eine gewisse Zeit noch drüber hinwegsetzen. Ne, also wenn du, keine Ahnung, Schmerzen hast, wenn du nicht schlafen kannst und so weiter. Das geht aber halt irgendwann auch nicht mehr gut. Das das waren einfach schwierige Phasen, die ich hatte. Es macht einen auch stärker, weil man immer merkt, das geht wieder irgendwie raus und es geht weiter und erstaunlicherweise geht's halt auch einfach immer weiter. 
Wolfgang
00:38:20
Ja zum Glück, also ich meine, sonst äh würden wir uns heute nicht unterhalten nach der nach der Odysse. 
Marlis
00:38:24
Ja, genau. 
Wolfgang
00:38:26
Ähm eine Frage habe ich jetzt aber noch. Du hast es drei, vier Mal erwähnt, dass du auch eine chronische Schmerzpatientin bist. Und ähm das ist ja was anderes wie dieses Reizdarmsyndrom, oder? 
Marlis
00:38:37
Genau, weil das noch nicht gereicht hat. 
Wolfgang
00:38:40
Also als diese ganzen Leiden verteilt wurden, da äh da hast du quasi den Hals nicht voll bekommen. Hier, hier, hier, hier. 
Marlis
00:38:47
Genau, ich stand ganz vorne in der Schlange und wollte Nachschlag, genau. 
Wolfgang
00:38:53
Was ist denn so was? Ein chronisches, äh was ein Schmerzsyndrom? Was was ist denn das, was muss ich mir da vorstellen? 
Marlis
00:38:59
Schmerzsyndrom kann ja jede Art von Schmerz sein. Also bei mir ist das so, das hat boah das muss auch so das war so ein bisschen überschnitten, aber ich würde sagen so richtig angefangen hat das irgendwie so vierzehn, fünfzehn, sechzehn auch ein bisschen ähnlich Irgendwie gemerkt habe, ah ich habe irgendwie so Rückenschmerzen und und auch immer mal wieder, aber auch am Anfang noch gar nicht so, dass ich irgendwie da groß drauf geachtet habe. Das ging dann teilweise auch irgendwie so ein bisschen Speine runter und dann war ich mal so beim Orthopäden und dann hat man hier mal eine Fehlstellung, da was gefunden, wie halt immer was gefunden wird, dann war ich mal beim Osteopathen. Und das war auch was, was einfach immer stärker wurde und dann auch nicht nur vereinzelte Tage, sondern das kam halt immer öfter, und blieb auch äh immer länger und, Ich weiß noch, ich war 2014 in einer orthopädischen Reha, weil man damals noch dachte, das ist was orthopädisches und irgendwann davor muss ich den letzten schmerzfreien Tag gehabt haben. Bei mir äußert sich das so, dass ich in meiner kompletten linken Körperhälfte, also kannst mich einmal so durchtrennen, in der in der linken Körperhälfte so brennende Schmerzen haben. Also wie als würde ich unter Strom stehen oder als hätte man mich angezündet oder so. 
Wolfgang
00:40:13
Das ist nur in der linken Körperhälfte. 
Marlis
00:40:14
Ja genau, man kann nicht einmal direkt in der Mitte durchteilen und in meiner rechten Körperhälfte habe ich null Beschwerden und das ist auch so ein bisschen, die sind immer da die Schmerzen, die werden stärker und weniger stark und Jetzt habe ich das Glück, dass ich seit fast zwei Jahren einfach auch so mitlaufen und ich da gar nicht mehr so richtig mitkriege, dass sie da sind. Also wir arrangieren und leben äh arrangieren unseren Leben so miteinander her. Aber das war, So schlimm, dass ich teilweise über Wochen oder auch über Monate, meistens im Winter mit so die Kälte noch dazukommt. Wirklich über Wochen und Monate ausgeknockt war und das Absurde ist und da kommen wir wieder zu dieser nachvollziehen. Ich kann jetzt mir gar nicht vorstellen, wie's mir in diesen Phasen geht Ich weiß aber, dass ich in diesen Phasen teilweise nicht mehr ein noch aus wusste und ich habe wirklich, ich habe alles versucht, was man überhaupt machen kann an Therapien und Medikamenten. Ich glaube, es gibt kein Schmerzmittel, dass ich's noch nicht ausprobiert habe. Keine Therapieform, keine Alternativtherapieform, also ich habe wirklich alles durchgespielt und. Das beeinflusst natürlich auch ganz viel anderes, also so Schlaf, Erholung, Leistungsfähigkeit und so weiter und dann bedingt so das eine das andere. Man ist die ganze Zeit erschöpft. Und kann halt nicht annähernd 1hundert Prozent leisten. Und natürlich dadurch, dass ich auch keine Lebensmittelvertrag und so weiter. Das bedingt sich irgendwie so alles gegenseitig. Ähm. Genau. 
Wolfgang
00:41:42
Okay, lass mich das mal zusammenfassen. Das heißt, du hast über Jahre hinweg jetzt nicht nur diese Unverträglichkeit mit den Lebensmitteln gehabt, die du dann irgendwann so in den Griff bekommen hast, sondern du hast auch jahrelang chronische Schmerzen in deiner linken Körperhälfte gehabt. Die äh du hast sie. 
Marlis
00:42:00
Immer noch, aber halt genau halt sehr sehr niedrigschwellig. 
Wolfgang
00:42:04
Die waren dann teilweise so stark, dass du dann auch nicht wirklich, keine Ahnung, schlafen konntest oder so. Weil's immer wieder. 
Marlis
00:42:11
Teilweise, genau, ich habe teilweise Nächte lang nicht geschlafen. Also ich weiß noch, ich bin einmal hier fast von der Bahn überfahren worden, weil ich so übermüdet war, dass ich, gehört hat, da bimmelt was am Bahnübergang, aber nicht gecheckt habe, dass das die Bahn ist, die grade auf mich zufährt während ich über den Bahnübergang laufe. Also solche Sachen und und wirklich, nächtelang im Bett rumgewälzt und und. Das Allerschlimmste ist, wenn du so furchtbare Schmerzen hast, du kannst nicht stillhalten. Also du musst immer in Bewegung sein und also Gott sei Dank liebe ich ja Sport und Bewegung und so, aber du kannst halt auch nicht, wenn du völlig übermüdet bist, die ganze Zeit in Action sein. Also das ist so ein Widerspruch in sich. Das ist wahnsinnig zermürbend. Also das ist Muss man sich so vorstellen, ich habe teilweise so schlimme Schmerzen gehabt dass ich nicht mal irgendwie auch Serie schauen konnte, weil mich das nicht abgelenkt hat. Also ich bin einfach auch wenn ich zu Hause war stundenlang durch die Wohnung getigert und habe hier was weggeräumt und mich hingesetzt und bin eine Minute später wieder aufgestanden und wieder was anderes gemacht. Also Ich habe auch gar keine Erholung bekommen, weil woher auch? 
Wolfgang
00:43:13
Du kannst dich auch nicht so auf nichts konzentrieren oder? Wenn die ganze Zeit, was wir also ein Buch lesen oder oder dich mal mit dir selbst beschäftigen, das stelle ich mir auch superschwer vor. 
Marlis
00:43:23
Ja total, also es es gibt jede Menge und ich kenne hunderte verschiedene Möglichkeiten, also so es gibt eine also unterschiedliche Arten von von Instrumenten zur Schmerzbewältigung, ob das jetzt autogenes Training, Muskelentspannung, verschiedene Hypnosetherapien und und Methoden gibt, schon einiges lässt sich auch richtig gut anwenden, das muss man so üben wie Meditation oder so aber und das sagen auch die Schmerztherapeuten. Du kannst es nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussen, ja und, Also wenn du dich mal eine halbe Stunde hinlegst und meditierst, bringt dir das trotzdem für den ganzen Tag nix, ja? Und und irgendwann ist halt diese Schmerzstärke auch so hoch, da kommst du damit halt auch nicht mehr weiter. Das ist halt einfach so und bei mir war ja das Problem, dass es oder ist das Problem Das ist ja dann auch kein also kein Schmerzmittel gibt es mir, den Schmerz lindert. Es schlägt einfach nichts an. 
Wolfgang
00:44:14
Mal zu was Krasses wie jetzt zu Morphium oder so wo so reinball. 
Marlis
00:44:18
Morphium habe ich tatsächlich noch nicht genommen, aber ich habe ganz ganz viele Jahre lang, also ich glaube von zwotausendvierzehn bis meine letzte Reha war Ende zwotausendneunzehn, also fünf Jahre habe ich durchgängig Opioide bekommen morgens und Abend. 
Wolfgang
00:44:32
Und die haben nicht wirklich viel geholfen dann oder oder haben die dir den. 
Marlis
00:44:36
Nee, also. 
Wolfgang
00:44:37
Gemacht. 
Marlis
00:44:38
Genau, also die helfen nicht gegen den Schmerz, aber die Wirkung von den Opioiden macht natürlich, dass es ein bisschen besser erträglich ist, den Nachteil wie bei vielen Medikamenten bei der Verträglichkeit passt sich ja irgendwann an und du müsstest theoretisch immer weiter die Dosis erhöhen und das äh erhöhen und das war's mir einfach nicht wert. Und dann hab ich irgendwann in der letzten Reha gesagt OK jetzt probier ich's ohne Also das musste dann auch ausschleichen, das kannst du nicht einfach absetzen. Weil ich dachte, na ja, wenn's jetzt mit nicht gut ist, vielleicht wird's ohne auch nicht schlechter und es war tatsächlich so. Was besser wurde es, dadurch sind meine Kopfschmerzen weggegangen, weil du bekommst ja dann durch Schmerzmittel oft auch da noch Kopfschmerzen und top. Als wär's das nicht genug. 
Wolfgang
00:45:16
Okay, du hast quasi du hast zu deinem Reizdarm und zu diesem Schmerzwindrum dann durch die Medikamente noch Kopfschmerzen bekommen. 
Marlis
00:45:24
Unter anderem. Also es gibt wirklich einen Strauß an Symptomen, die ich habe. Ich ich ich glaube wirklich so das Größte sind halt wirklich diese Schlafstörungen, die diese Erschöpfung und die Schmerzen. Aber also man hat ja lange gedacht, wir hatten's ja vorhin kurz davor, dass ich viel Promyologie habe, also das ist heißt chronischer Fasermuskelschmerz, dass die halt, quasi alles in deinem Körper ständig weh tut ähm und ich war auch deshalb in der Reha und dort hieß es aber, dass es nicht genau drauf passt. Was ich aber eigentlich sagen will, Fibromyalgie ist, ein Bündel an Symptomen, also es gibt, Irgendwie so ein paar Leitsymptome, das sind eben die, die ich grad genannt habe, aber das kann irgendwie hundertfünfzig andere Symptome sein äh geben, die auch noch da, zutreffen und zum Beispiel ist es auch so, Menschen die viel Promilogie haben haben sehr oft auch noch einen Reizdarm oder Unverträglichkeiten, frieren schnell, schlafen schlecht, das kann auch alles nur Zufall sein. Also das ist halt so, wenn nichts organisches gefunden wird in dem Sinne und und noch irgendwelche anderen Faktoren zusammenkommen, dann. Ist es oft wahrscheinlich, dass es eben viel Promyologie ist. Muss aber nicht sein. 
Wolfgang
00:46:36
Ist das eine organische Krankheit oder ist das eine psychische Krankheit? Weiß man. 
Marlis
00:46:40
Jein. Also es ist es ist irgendwie so so nichts Times und nichts Ganzes, also. Da kommt's auch immer so ein bisschen drauf an, an welchen Arzt du kommst und in welchem Jahr der Forschung du gerade bist. Also es wird einmal so ein bisschen, die rheumatische Ecke geschoben. Dann gibt's aber auch Rheumatologen und Orthopäden, die glauben gar nicht dran. Dann gibt's Ärzte, die sagen, ja klar gibt's das und ja das ist es und dann, Mal diesen Ansatz, dass es irgendwie achtzehn Triggerpunkte gibt und wenn irgendwie zehn davon anschlagen, dann hast du's. Oder es sehr wahrscheinlich, dass du's hast und dann kannst aber zwei erste Fragen hast, fünf Meinungen. Deshalb ist es ein bisschen schwierig, aber es gibt zum Beispiel eine Leitlinie dafür, was was das ist, wie die Ausprägungen sind, was man dagegen tun kann, wie man's behandeln kann. Deshalb aber ich finde man darf sich da gar nicht so arg drauf stürzen. Also bei mir war das damals so, ich hatte das Jahre lang schon und habe viel mit meiner Hausärzte drüber gesprochen und die hat dann irgendwann gesagt, na ja sie glaubt schon, dass es das äh dass es das ist. Und sagt aber also. Wird für sie nichts verändern, weil das, was man dagegen tun kann, tun sich schon. Aber was es für mich äh für einen Unterschied gemacht hat, ich hatte was, was ich auch anderen geben konnte. Weil bis dahin war es ja für mich immer so, wenn mir jemand gefragt hat, was ist los? Und da habe ich gesagt, na ja, ich habe Schmerzen und ich habe diese Mädels. Ich kann dir aber gar nicht so genau sagen, was es ist, weil ich weiß es auch nicht. Und ich hatte jetzt wenigstens einen Begriff, den ich den Leuten hinwerfen kann und habe gesagt, da ist jetzt Google mal danach. Und mittlerweile bin ich aber so, dass ich, dass ich sage, na ja gut, wahrscheinlich habe ich's nicht, aber, letztendlich auch da ändert sich jetzt für mich wieder gar nichts. Ich bin da einfach schon so mein eigener Experte, dass ich halt weiß, was, funktioniert und was nicht funktioniert und hab mich damit so engagiert, dass es mir eigentlich relativ also ja eigentlich egal ist. Also wüsste ich jetzt ähm wenn ich eine bestimmte Diagnose hätte gäb's noch irgendwelche anderen, Behandlungsmöglichkeiten nicht in Anspruch nehmen könnte, dann würde ich mich drum kümmern, aber ich weiß, egal ob's jetzt AB oder C ist, es wird nicht anders behandelt und da auch nichts geholfen hat und ich meinen Körper am besten kenne, bin ich da mittlerweile so fein damit, dass das für mich, keine Rolle mehr spielt. 
Wolfgang
00:48:50
Ja, ist absolut nachvollziehbar, weil ich glaube, für dich ist es am wichtigsten ja, wie du deine deine Lebensqualität irgendwie steigern kannst oder konservieren kannst vielleicht, je nach. 
Marlis
00:49:00
Ja, auf jeden Fall. 
Wolfgang
00:49:01
Was hast denn du gemacht seit 2tausend9zehn? Du hast gesagt, du hast diese Therapie äh zweite oder diese Reha zweitausendneunzehn gemacht. Hast dann nach fünf Jahren diese äh dieses äh diese Opionide abgesetzt, und du hast auch gesagt, dass es dir momentan ganz gut geht, diesem Schmerzsyndrom. Was ist das seit 2019 passiert? Hat sich, hast du noch irgendwas anderes verändert in deinem Leben? 
Marlis
00:49:23
Ja also ich muss sagen, ich habe schon. Ich weiß gar nicht, ob's neunzehn oder schon achtzehn war, habe ich schon diese Schmerztherapie gemacht. Die Reha habe ich eigentlich zusätzlich noch gemacht, weil das da auch ähm klassischerweise immer im im Winter diese Schübe, das ist so wenn das Wetter kalt wird, dann wirkt sich das nochmal negativ aus, verkrampft sich noch mehr, hast noch mehr Schmerzen. Dann hat er aber in dem Jahr auch im Sommer das erste Mal einen Schub, was ich davor noch nie hatte und habe gesagt, jetzt muss ich noch mal irgendwas versuchen und dann gab's eben diese Reha mit diesem Schwerpunkt. Und was ich also das war in Bad Kreuznach und was ich dort auch gemacht habe, war eine Radontherapie. Da gibt's einen Radonstollen und Radon ist tatsächlich ein radioaktives äh Element und, In diesem Stollen herrscht halt ein gewisser Anteil an an Radon. Und man sagt also es gibt verschiedene Krankheitsbilder, bei denen das nachweislich wirkt oder vermutlich wirkt und ich kannte das von einer Bekannten, die viel Promi hat und die das regelmäßig macht. Der das auch hilft und. Und ich glaube, das will ich auch machen. Bei mir hat's die Kasse leider nicht übernommen. Für Fibromühe geht's halt jetzt nicht, aber es gibt zum Beispiel rheumatische Erkrankungen. Da wird das von der Kasse bezahlt. Da war ich halt an dem Punkt war das Jahr so schlimm war dass ich dachte ich mach das jetzt einfach und hab mich da dann ärztlich durchchecken lassen, man musste dann auch vor Ort zu einem, bei Neologen, der der einen dann checkt und sagt, ja darf man und. 
Wolfgang
00:50:52
Ganz kurz, was ist denn das für ein Facharzt? Habe ich noch nie gehört. 
Marlis
00:50:54
Badearzt. 
Wolfgang
00:50:56
Badearzt. 
Marlis
00:50:57
Ein Badearzt, ja. 
Wolfgang
00:50:58
So was wie ein Bademeister. 
Marlis
00:51:00
Ich glaube ja, nur dass der mehr Geld dafür bekommt. Genau, also du musst da auch. Dann sie ja du musst nicht dein Seepferdchen zeigen, sondern äh in meinem Fall, schreibt dir die Überweisung, also der spricht irgendwie so der wiegt dich einmal, der misst dich, der checkt so ein paar Sachen ab und sagt halt jo darfst du oder darfst du nicht und dann darfst du da irgendwie äh nur eine gewisse Anzahl an Fahrten heißt es pro Woche und, nur insgesamt X machen und auch nur einmal im Jahr, damit du halt eben nicht zu viel Strahlung abbekommst. Und dann habe ich das zusätzlich zu meiner Reha, also die Einrichtung war direkt gegenüber, zweimal die Woche gemacht, über drei oder vier Wochen, die ich da war. Und dann sagt man, es dauert so ein viertel bis halbes Jahr bis die Wirkung einsetzt. Ich weiß bis heute nicht, ob das damit zu tun hat, aber auf jeden Fall. Hat's vielleicht was gewirkt. Ähm das habe ich gemacht. Dann was mir auch einfach, Nach wie vor hilft es, viel Bewegung, viel Sport, auch auch einfach zur Ablenkungszwecken. Äh und und das ist auch, Unterschied zu Fibromyalgie bei mir verstärkt Bewegung, weder die Schmerzen noch die Erschöpfung, also ich kann Sport machen und danach geht's mir nicht schlechter, aber in der Zeit, in der ich Sport mache, geht's mir viel viel besser, ob das jetzt nur die Runde um den Blog ist oder ob ich ein in die Hand nehme und auf den Ball schlage und Ist für mich auch tatsächlich so ein Frustventil. Also dass ich die Möglichkeit habe durch Sport meine ganzen Wut und meinen Frust und und den Hass auf die Situation, wenn ich sie dann habe rauszulassen. Und ich bin dann vor drei Jahren im Squash-Verein eingetreten und habe da auch gemerkt, dass mir dieses soziale total gut tut, eben auch da mit Leuten drüber sprechen und auch da war das. Ich hatte Angst zu sagen, na ja, ich musste mir verpflichten, zum Zeitpunkt X dort sein, weil da ist jemand, der wartet auf mich und will spielen. Und habe da wirklich riesige Angst davor gehabt, habe aber gemerkt, es funktioniert, Ich weiß nicht wieso. Es funktioniert auf jeden Fall und habe mir da einfach so ein Netz an an Freunden, Bekannten und Leuten aufgebaut, bei denen ich weiß, da kann ich auch spielen, wenn's mir richtig scheiße geht. Die wissen, wie's mir geht, ist es auch völlig in Ordnung, wenn ich die ganze Stunde über nichts spreche, sondern einfach da stehe und und wie wie bekloppt auch den Ball schlag. Ähm, Ich muss da eben nicht so tun, als geht's mir gut. Ich habe da schon geheult, ich habe da gelacht. Also alles schon mitgemacht und und das tut mir einfach wahnsinnig gut. Habe ich auf jeden Fall gemerkt. Ja und halt wirklich auch so ein bisschen Leute aussortiert, das hört sich so blöd an, aber Leute bei denen ich nicht offen sagen kann, wie's mir geht und die davon genervt sind oder nichts davon wissen wollen oder damit nicht klarkommen, wie Ja, das ist schade, aber dann passen die halt einfach nicht zu meinem Leben, weil das das den den Stress kann ich nicht auch noch brauchen. 
Wolfgang
00:54:02
Ja, so eine Freundschaft ist ja immer was äh was Zweiseitiges. Also es muss ja von beiden Seiten immer passen, wenn so was nur von einer Seite passt, dann macht's auf Dauer ja nicht glücklich. 
Marlis
00:54:11
Ja, vor allem, ich denke, auch wenn wenn das halt eine Person ist, der euch das nicht erzählen kann, ist das dann auch wirklich eine Freundschaft? Das ist ja das nächste. Und was ich aber sagen muss, was für mich einfach den Wandel schlechthin gebracht hat, ist das Arbeiten im Homeoffice, hört sich so blöd an, aber das hat mir so viel ich kann's nur darauf zurückführen. Das hat mir einfach so viel Gesundheit äh, ermöglicht. Also man muss vielleicht dazu auch noch sagen, ich habe auch noch so andere Symptome, die halt auch so damit zusammenhängen, wie dass ich äh total geräuschempfindlich bin, dass mich das total viel Energie kostet, wenn ich die ganze Zeit Lärm um mich rum habe oder einfach Geräusche, wenn ich von A nach B muss und ganz oft das Problem habe, ich bin geistig völlig, auf Spur, aber mein Körper sagt einfach so, nee, du kannst jetzt nicht einfach noch irgendwie nach A oder B fahren und da halt gemerkt hat. Kann plötzlich viel, viel besser arbeiten. Ich kann also ich kann auch mich selber auf mich total gut verlassen, weil das hilft ja auch nix, wenn ich anderen irgendwas zusage, also egal ob jetzt bei der Arbeit oder privat, und das auch will, aber mein Körper dann streikt, ja? Und irgendwann wirst du auch so total unsicher, weil du gar nicht weißt, ich kann's nicht sagen, Und dadurch aber so viel Ruhe und Struktur da reingebracht habe, dass dass ich mir selber auch wieder viel mehr zutraue, und die Momente, in denen mal was nicht geht oder ich mal eine Verabredung absagen muss oder irgendwas dann das auch so hinnehmen kann. Habe ich gesagt, dann ist es halt einfach so. Dass ich wenn ich abends den Rechner ausmache, plötzlich so viel mehr Energie habe, also danach äh davor war ich halt arbeiten und dann war halt der Tag gelaufen und so was ich dann privat gemacht habe, war am Wochenende. Aber mittlerweile kann ich halt auch nach Feierabend noch was vom Tag haben und habe halt eigentlich nicht nur das Wochenende für mich, sondern halt auch die Abende. Oder wenn ich auch merk, dass ich dass ich halt irgendwie nachts nur vier Stunden geschlafen hab, lege ich mich halt mittags noch mal eine Stunde hin und dann komme ich auch gut durch den Tag. Wenn ich aber weiß, ich müsste das irgendwie draußen äh mit Geräuschen und und also ich liebe Menschen und kommunizieren und mich unterhalten, aber mein Körper packt's halt einfach nicht. Wenn ich das so aber in die Waagschale werfe und ich bekomme dafür halt auf der Seite mehr raus, dann entscheide ich mich halt dafür. Und wenn ich überlege, was das halt dieses Jahr vor allem an an Vorteil gebracht hat und und Verbesserung, denke ich, alles richtig gemacht. 
Wolfgang
00:56:35
Das heißt für dich war's ein riesen Glücksgriff im Prinzip, dass äh durch die aktuelle Situation es sich so ergeben hat, dass du jetzt seit eineinhalb Jahren ungefähr im Homeoffice arbeiten konntest. 
Marlis
00:56:46
Genau, also. Das ist so absurd, aber und und das hört sich so böse an, aber ich meine das gar nicht so. Ähm für mich hatte Corona eigentlich nur gute Seiten. Und das sind Also mal ab, wirklich unabhängig davon, dass es wirklich eine Katastrophe ist, was was Gesundheit und Wirtschaft und und alle betrifft. Ja, also das mal völlig weg. Aber es hatte zwei Sachen. Ich habe mich nicht mehr gefühlt wie ein Außenseiter, weil es waren alle im Homeoffice, es konnte keiner irgendwas machen und ganz viele und das ist so lustig, weil ich habe ja Freunde und Bekannte, die chronisch krank oder eingeschränkt sind und gesunde Leute in meinem Umfeld. Man hat genau gemerkt, die ganzen Leute, die sowieso schon eingeschränkt sind, die hatten eben genau dieses Phänomen, dass sie gesagt haben, ah ja, Jetzt bin ich endlich mal nicht mehr so komisch, sondern jetzt geht's allen so und die anderen gemerkt haben, ach so ist das, wenn man nichts mehr machen kann. Also, zwar eine andere Auslöser, weil es man man durfte nichts mehr machen und man konnte nichts mehr machen. Es war jetzt nicht irgendwie gesundheitlich vom eigenen Körper vorgegeben, aber das Resultat war das gleiche. Die Leute waren gezwungen zu Hause zu sitzen. Ich glaube, dass da irgendwie ganz viele und nicht nur für mich persönlich, sondern dass da ganz viele Leute sich auch irgendwie angenähert haben, was Verständnis füreinander äh betrifft. Und und ich glaube schon auch äh und ich habe das ja auch gemerkt, in meinem Umfeld Leute sagen so, ach ja so, so ist es. Also ich kann's immer noch nicht nachvollziehen, aber ich kann's besser verstehen. Und deshalb, also für mich hat sich ja nichts geändert. Ich bin davor schon nicht essen gegangen. Also ja, ich gehe auch mal ins Kino oder so. Ähm aber wie gesagt, ich habe ja davor unter der Woche nicht viel gemacht oder machen können, und das Einzige, was halt für mich nicht mehr funktioniert hat, ähm war halt Indoor-Sport. Ja, da mussten wir alle durch. Ähm aber für mich hat sich ja dann wieder daraus. Anderes viel Besseres ergeben. Also nicht was du erinnerst dich vielleicht noch als wir über Fahrräder gesprochen haben und. 
Wolfgang
00:58:45
Ja, ich erinnere mich. 
Marlis
00:58:46
Später ja paar Wochen später hatte ich plötzlich einen Rat. Mittlerweile habe ich zwei und bin im Verein. Also ja ich glaube, Ich glaube, man muss einfach irgendwie. Versuche mit der Situation umzugehen und und sich nicht irgendwie von der Situation abhängig machen zu lassen, sondern halt selber, zu schauen, was kann ich mit den gegebenen Mitteln zu den jetzigen Umständen machen. 
Wolfgang
00:59:11
Finde ich total finde ich total inspirierend, was du da sagst und ähm ja, was soll ich denn sagen Ich kann's nur unterschreiben. Ich glaube, so der Blick nach vorne, da ist manchmal sehr schwierig, weil wenn's einem gut geht, dann ist natürlich alles easy. Wenn wenn ich gesund bin und alles andere passt, dann zu sagen, ja, die nächsten drei Monate, das das nächste Jahr, das wird großartig. Ich mache einen tollen Urlaub. Ich unternehmen viel mit meinen Freunden. Mir geht's mir geht's gut, ich genieße mein Leben. Ja das ist ein das ist ein no brainer oder? Aber wenn man jetzt in so einer, in so einer Sackgasse drinsteckt vielleicht, jetzt in deinem Fall gesundheitlich, da Da gab's sicherlich viele viele dunkle Momente, wo wo's wo's super schwer war, dann irgendwie den Weg zu finden, okay, ich bin jetzt hier. Die Situation ist so, aber was kann ich denn vielleicht ähm an meinen Gedanken ändern? Mit meiner Einstellung, wie kann ich die vielleicht so drehen, dass dass es für mich äh ja eine positive Wendung nimmt. Das finde ich, du bist ein mega gutes Beispiel dafür, äh dass so was. Ja bitte. 
Marlis
01:00:13
Ja und ich kann aber auch jeden verstehen, der sagt, ja das sagt man soll äh einfach, also sowohl ich jetzt als auch du, der ja nicht davon betroffen ist aber ich kenne schon auch diese Momente, wenn du über Wochen oder Monate zu Hause liegst und nichts machen kannst und denkst, Mal geht's nicht einfach vorbei. Dieses Mal bleibt, was mache ich, wenn's bleibt, was mache ich, wenn's nicht mehr besser wird? Wenn ich im Bett liege und nicht und das ist kein Witz und nicht mehr die Kraft habe, die Bettdecke anzuheben, weil ich die Energie nicht habe. Also das ist wirklich, Man kann sie ich kann bis jetzt auch schon gar nicht äh richtig greifen, wie das war. Aber was ich mir ganz oft äh Gesagt habe oder welche Frage ich mir gestellt habe ich habe schon auch oft gedacht so ich schmeiße alles hin, ich gebe auf, ich kann nicht mehr arbeiten, ich kann ich bleibe einfach in meiner Wohnung liegen, Ich gebe auf und dann habe ich mich gefragt, Jan, wie sieht das aus? Geht's morgen nicht mehr ins Büro mit mit dreißig? Ja und dann? Also mal wirklich so, Völlig nüchtern betrachtet. Was ist, wenn ich jetzt morgen im Büro anrufe und sage, ich komme nicht mehr? Oder wenn ich sage, ich äh ich kündige, was mache ich dann, ja? Also, Dann sitze ich zu Hause, wer zahlt meine Miete? Wer geht einkaufen? Was mache ich? Also vor allem was mache ich auch den ganzen Tag? Also wirklich so lächerlich pragmatisch an die Sache ranzugehen, ja? Also, Wenn ich aufgebe, was heißt das? Und dann habe ich gedacht so, ja nee, das ist auch irgendwie Scheiße. Also. Die Option ist ja auch nicht besser. Es ist ja nicht so, dass ich dann plötzlich irgendwie, keine Ahnung, meine Sachen packe, in Süden fliege und dann geht's mir plötzlich gut, sondern, Genau das Gleiche wie jetzt auch mit weniger Geld, weniger Abwechslung und nix mehr zu tun. 
Wolfgang
01:01:49
Also wenn das Aufgeben so aussehen würde, dass man in den Süden fliegt und es einem gut geht, dann würde ich die. 
Marlis
01:01:56
Würden mehr Leute aufgeben, ja. 
Wolfgang
01:01:59
Wir haben heute äh den dreißig. November und es ist ganz fürchterlich draußen, was das Wetter, also äh Escape Richtung Süden wäre ich sofort dabei. Aber ich finde eine Sache mega interessant. Also zu diesem Gedanken, ich gebe auf, den kennt glaube ich jeder, Wenn man sich so deine Geschichte anhört und das ist ja leider nur ein Ausschnitt gewesen von diesen ganzen gesundheitlichen Dingen, die du hattest. Aber wenn man das alles hört, also ich finde vor allem krass dieses Ich konnte nichts mehr essen. Das ist für mich so unvorstellbar, weil ich erst sehr gerne und leider auch ein, zu viel. Und äh die Sache mit diesem Schmerzsyndrom hey meine linke Körperhälfte tut weh und sie tut irgendwie immer weh. An manchen Tagen tut sie stark weh und an manchen sehr stark. Ist für mich absolut unvorstellbar. Dann zu sagen, hey, es ist alles so blöd, das es funktioniert gar nichts und ich gebe jetzt auf, den Gedanken, ja, ich den kann ich mega nachvollziehen, kann wahrscheinlich jeder. Aber was ich dann spannend fand, war, Als du jetzt gesagt hast, hey, was habe ich gemacht? Äh ich hatte solche Gedanken natürlich und ich habe mich da mal ganz pragmatisch damit beschäftigt. Was bedeutet das eigentlich? Und ich hab's mal für mich so so ein bisschen analysiert und einfach mal ja so ganz pragmatisch so auseinandergepackt und geguckt, was bedeutet das im Detail? Habe dann irgendwie so eine Erkenntnis gehabt oder so eine Entscheidung für mich getroffen. Das finde ich sehr, sehr interessant, weil diesen Impuls, den kennen wir ja alle, so hey, blöd, Mist, doof. Ich habe keinen Bock mehr. Das bringt alles nix. Ich lasse es jetzt, aber sich dann würde ich mal so die Zeit zu nehmen und dir die Muße vielleicht auch und das mal so Step by Step durchzuschauen, was bedeutet das eigentlich? Und darauf äh aufbauen, eine Entscheidung zu treffen, das finde ich richtig richtig toll. 
Marlis
01:03:46
Vielen Dank. Vielen. 
Wolfgang
01:03:48
Sollte man öfter machen eigentlich, weil manche Menschen haben natürlich jetzt so krasse Situationen wie du, wo es halt wirklich über einen langen Zeitraum sich das, und das Leben so brutal im Griff hat aber ich glaube in Miniaturform haben wir das ja alle. Also im Miniaturform haben wir das ja vielleicht keine Ahnung im Job. Du hast irgendwie den blöden Kollegen oder du wirst bei in deiner Abteilung bei der Beförderung immer übergangen und sagst, ey jetzt mache ich das schon seit 20 Jahren und jetzt ist der Herr Meier irgendwie schon wieder bevorzugt worden. Ich habe kein Bock mehr. Ich schmeiße das jetzt alles hin. Absolut nachvollziehbar. 
Marlis
01:04:25
Ja, total, ja. 
Wolfgang
01:04:27
Bin jetzt noch nicht 20 Jahre irgendwo in der Ab. Nirgends übergangen worden, aber nachvollziehbar. Aber sich dann zu sagen, hey aber was bedeutet denn das? Und vielleicht kommt ja raus, ja, das ist eine gute Idee, ich schmeiße hin und ich ich werde jetzt irgendwie Greifvogelzüchter, weil das wollte ich schon immer. Und äh. 
Marlis
01:04:43
Go for it. 
Wolfgang
01:04:44
Mega, mega Entscheidung, aber vielleicht kommst du auch zu dem äh zu dem Gedanken. Nee, aber eigentlich ist ja mein Job macht mir trotzdem Spaß. Ist mir egal, was der Herr Meier irgendwie macht. 
Marlis
01:04:53
Ja, ja also, Ich glaube, weil ich hörte schon immer mal wieder, dass Leute, auch wenn ich das gar nicht so nachvollziehen kann, aber dass Leute zu mir sagen, sie finden das total krass, wie ich das alles so durchziehe und was ich so mache. Wobei ich ja nur mein eigener Vergleich bin. Aber ich glaube, es gibt schon so ein paar Sachen, die man irgendwie oder wo glaube ich jeder so ein bisschen was rausziehen kann und ich glaube das eine ist so dieses sich. Die Kontrolle über die eigenen Entscheidungen oder den in meinem Fall auch den Körper anzueignen, also nicht zu sagen so ja das liegt daran, also man sucht ja gerne so so Ausreden und wenn man dann so mal, die Zeit nehmen, wenn du drüber nachzudenken und ehrlich zu sich selber zu sein man schiebt dann ja oft das ist das Wetter. Es sind die anderen die Kollegen bla bla bla und zu überlegen so. Wo liegt's eigentlich wirklich? Also ist es ein Problem? Äh und dann muss ich überlegen, ja also entweder rege ich mich jetzt weiter drüber auf und äh, Akzeptier's oder ich ändere was und das ist auch ein Thema, das ich auch bei anderen Menschen, nicht dulde. Also mir kann gerne jemand sagen, wie scheiße alles ist, wenn er versucht was zu ändern, aber wenn er einfach nur dasitzt und jammert, wie scheiße alles ist. Ja dann will ich's auch nicht hören. Also dann sei unglücklich, aber dann erzähl mir nicht davon. Weil. Das Leben passiert halt nicht, wenn du auf der Couch sitzt und jammerst, wie scheiße alles ist. Ich glaube, das ist so das eine und was bei mir auch noch eine große Rolle spielt, ist halt, dass ich gesagt habe, Ich will meinem Körper nicht die Kontrolle überlassen, also ne, der kann mir Steine in den Weg werfen, wie er will und manchmal zwingt er mich auch in die Knie, aber ich habe die Kontrolle. Und ähm, Damit gehe ich halt auch offen um. Also du weißt ja, ich bin bin seit Kurzem zum Beispiel im gleichen Triathlon-Verein wie du, hätte ich mir ja auch nie ausmalen können. Da habe ich zum Beispiel auch von Anfang an gesagt so, ja, hey, ich bin chronische Schmerzverzehrnis. Es kann sein, ich werde das ein oder andere Mal was absagen und ich kann vielleicht nicht so teilnehmen, wie es andere können, aber ich habe da Bock drauf. Ich versuche das. Und schon habe ich das Thema, das noch gar nicht existiert für andere, aber bei mir einfach da ist ausm Weg geräumt, indem ich einfach gesagt habe, hey Leute, so sieht's aus und dann muss ich mir doch gar keinen Kopf mehr drüber machen. Wenn's halt nicht geht, dann geht's nicht und dann muss ich nicht überlegen, was könnten denn die anderen vielleicht denken, warum ich jetzt nicht und so, sondern Das Thema ist jetzt einfach durch und ja. 
Wolfgang
01:07:14
Ja und also es ist doch immer schön, wenn man so was proaktiv irgendwo sagt. Denn wir Menschen, wir neigen ja dazu, immer zu interpretieren. Wenn wir nur das Verhalten jetzt von jemandem sehen, wir sehen das Verhalten von dir, vielleicht jetzt in so einem Verein, also ich bin ja letzter Zeit nicht mehr so oft im Verein gewesen, weil die einfach zu äh zu träge geworden bin, aber wenn man jetzt sieht, ah die kommt so selten, vielleicht findet die uns doof oder so. Wir interpretieren ja immer und leider nein, Menschen aber dazu negativ zu interpretieren. Und wenn du dann das wirklich sagst. 
Marlis
01:07:46
Gibt's auch dieses Sprichwort äh also so, man kann den Leuten nur vor den Kopf schauen. Du weißt nicht, was jemand denkt und das ist egal, ob das jetzt gesundheitlich oder sportlich ist. Du weißt oder auch wenn jemand auf der Straße einfach nur unfreundlich zu dir ist oder die Kassiererin oder so das kann sein, keine Ahnung, die hatten einfach einen Scheißtag, die hat schlecht geschlafen, die hat eine Trennung hinter sich keine Ahnung, ist mitm falschen Fuß aufgestanden und man bezieht das immer auf sich oder denkt sich sonst was und äh, Also wir Sportler kennen das ja auch. Zum Beispiel wenn du jemanden siehst, der halt irgendwie nicht so schnell ist oder so oder jetzt ich hatte es erst wieder am Wochenende bei dem Wettkampf nehme ich irgendwie quasi als drittletztes Ziel kam. 
Wolfgang
01:08:27
Aber du bist ins Ziel gekommen. 
Marlis
01:08:28
Aber ich bin ans Ziel gekommen, genau und da denke ich auch, da hätte ich früher vielleicht gesagt, so nee, dann mache ich das gar nicht, weil ich mir die Blöße nicht geben will. Jetzt denke ich so, ja, aber ich stand halt am Start und ich bin auch ins Ziel gekommen und keiner weiß, wo ich herkomme. Du weißt ja auch, bei den anderen nicht, wer kommt von einer Verletzung? Wer hat sich von einer Krankheit rausgekämpft? Wer, keine Ahnung, macht das aus gesundheitlichen Gründen? Das lässt sich ja auf jede Lebenslage beziehen und, Und da also generell glaube ich einfach, dass Leute zu schnell über andere urteilen oder sie beurteilen. Wenn man sich aber davon so ein bisschen freimacht, dann kommt man auch einfacher durchs Leben. 
Wolfgang
01:09:07
Absolut. Also ich glaube, das steckt ganz tief in unserem Verhalten drin, dass wir Menschen direkt irgendwo mal einsortieren. Und äh wenn wir wirklich gut sind, revidieren wir das später, wenn wir so Menschen vielleicht äh kennenlernen oder wir schaffen's äh dass wir Menschen, denen wir irgendwo begegnen, dass uns das erstmal egal ist und wir die nur vielleicht mal angucken und sagen jo groß, klein, dick, dünn, aber jetzt ohne es da einen Kopf drüber zu machen. Ich glaube, das ist so ein so so wirklich so high level, wenn wir mit Menschen umgehen. Aber ja, wir interpretieren immer. 
Marlis
01:09:37
Also ich weiß zum Beispiel auch, als ich in meiner allerersten Reha war, da habe ich auch ein paar Jungs dann kennengelernt und der eine hat irgendwann später zu mir gesagt äh Boah, als wir dich damals das erste Mal gesehen haben, du saßt dann äh mit so einem oder du standest mit so einem äh schlecht gelaunt aussehenden Gesichter untenrum, so alle auf Abstand, Ich dachte mir so, nee, ich war halt einfach wirklich nur müde und mir ging's nicht gut. Aber da sieht man ja zum Beispiel so diese Wirkung, die man selber hat und die andere von einem haben, du kannst den Leuten halt nicht in den Kopf schauen, ja? Und deshalb also ich merke das bei mir selber oft auch, wenn wenn ich irgendwie nicht gut drauf bin und dann andere Leute sehe, dass. Die irgendwie komisch zu mir sind und ich denke so, ja, mir geht's aber nicht gut und andererseits erwische ich mich auch wieder, wenn wenn ich irgendjemand. Draußen oder sonstwo sehe und keine Ahnung, guckt mich irgendwie schräg an oder so, dass ich auch erst denke so, was was guckt die mich so blöd an oder was? Hat der mich jetzt angerempelt und dann denke ich so ja, Also entweder war's halt wirklich unfreundlich, aber vielleicht hat er auch einfach einen beschissenen Tag gehabt oder den geht's wie mir, wenn ich Schmerzen habe. Ja, dann kann ich halt auch nicht die ganze Zeit der lächelnde Sonnenschein sein. Deshalb ähm ja, ich glaube, das ist halt auch irgendwie so das Thema so ein bisschen Empathie für sich und für andere zu haben. Da ja, ich glaube, damit macht man nichts verkehrt. 
Wolfgang
01:10:54
Absolut, also Empathie zu haben und äh auch einfach mal nachzufragen, Warum Leute was tun? Also ich habe das festgestellt, ich mache das sehr gerne. Ähm einfach mal nachzufragen, hey äh warum machst du dann das so oder was was meinst du damit? Und das ist so spannend, was du da teilweise äh verantworten bekommst, wenn wenn du einfach mal aus Neugierde nachfaust, du, guck mal, du du keine Ahnung Du machst jeden Morgen hier äh so eine ganze Kanne heißes Wasser im Büro und machst nur eine äh eine Tasse Tee für dich. Warum machst du denn so viel Wasser? Warmes drauf mega Stromverschwendung, keine Ahnung. Äh ach so äh ja ich mache das immer warm, ich rühre mir direkt eine Tasse Früchtetee auf, Viertel Stunde später mache ich mir dann nochmal eine Tasse Grüntee, dann ist der kalt geworden. Ah okay, weiß ich jetzt. Super, interessant. Oh du trinkst gern Tee. Cool. Was ist dein Lieblingstee? So was auch mega spannend ist, ist übrigens mit äh mit Menschen, die man äh die man mag und mit guten Freunden, Partnerin, Partner mal anzufangen, Dinge zu hinterfragen. Also erst nicht, weil man jetzt so misstrauisch ist, sondern weil man neugierig ist und Interesse hat, Einfach mal so die Freundin oder ein Freund zu sagen, du sag mal ähm warum machst denn du das so? Mache ich vielleicht. Das ist so eine erste Reaktion eventuell, so wenn man's nicht gewohnt ist. Aber wenn man sich auf so was einlässt, das ist auch eine richtig interessante Reise, finde ich. 
Marlis
01:12:10
Ja total, also man man merkt auch äh oder äh So geht's mir auf jeden Fall, dass dass man, wenn man sich selber so beobachtet, auch so eigene Ticks aufdeckt, die man so hat dann äh wenn man da mal anfängt nicht immer, aber oft kommt man dann auch irgendwie so auf Themen wo denkt so, ah ja das war in der Kindheit irgendwie so und wahrscheinlich mache ich das deshalb, also so ganz witzige Sachen und äh, ich glaube, Das lässt sich einfach auch so vieles übertragen, also dass man eben auch also oft ist es ja auch so, du guckst dir bei deinen Eltern irgendwelche Verhaltensmuster ab und so und bist deshalb irgendwie so, mürrisch oder wehleidig oder trüb oder ein Sonnenschein oder weiß der Geier was immer, du bist genau das Gegenteil. Das das ist glaube ich auch ein ein großer Einfluss oder was was einen großen Einfluss auf die eigene Situation. 
Wolfgang
01:12:59
Ja, ich glaube schon. Also ich denke, äh so ganz ganz allgemein unsere Erfahrung prägen und so einfach, ob das vielleicht aus Erfahrung aus einer Kindheit sind, aus einer Jugend oder vielleicht aus so einem Erlebnis, wie du's jetzt hattest oder wie es andere Menschen auch hatten. Ich glaube schon, dass die Erfahrung uns prägen, aber ich glaube auch genauso, dass das nichts endgültiges ist. Ich glaube, dass solche Prägung auch einfach verändert werden können, wenn man sich derer bewusst ist. 
Marlis
01:13:22
Genau, das ist halt noch du musst halt wirklich auch wissen, dass da was ist, wenn du was ändern willst und dann halt auch das aktiv bearbeiten. 
Wolfgang
01:13:32
Eine Frage hätte ich noch an dich, Du hast mir gesagt, was ganz ganz wichtig für dich war während dieser Reise. Ähm und auch immer noch sehr wichtig für dich ist, ist Humor. Und äh ich kenne dich als Frau, die Humor hat, aber, Wie hast du denn dir so ein bisschen Galgenhumor bewahrt in den Zeiten, in denen's dir richtig schlecht ging? Also in den Zeiten, wo, linker Körper einfach was komplett anderes gemacht hat als der rechte. Wie konstruiert ihr da so ein bisschen Galgenhumor bewahren? 
Marlis
01:14:06
Also was ich ein sehr prägenden Spruch finde ist äh Humor ist der Abstand zum Problem, Und äh das trifft eigentlich so den Nagel auf den Kopf, also für mich auf jeden Fall ist Humor so ein Ding. Also die Situation so ein bisschen von außen zu betrachten und nicht zu nah ran zu lassen, also so quasi mit sich selber auf Distanz gehen, aber auf eine humorvolle Art und. Ja, ich glaube, das ist so das hat viel mit eigener Einstellung zu tun, also dass man sich selber auch so auf die Schippe nimmt, also für sich selber, aber auch in Gegenwart von anderen, ohne dass irgendwie. Mit einem schlechten Gefühl zu machen oder so. Also, Klassiker ist auch zum Beispiel, wenn wenn Freunde von mir irgendwie morgens sagen, boah, ich habe voll den krassen Kater, äh ich habe gestern irgendwie gefeiert und bin spät ins Bett. Sage ich, ja, das ist für mich ein ganz normaler Abend, an dem ich um acht eingeschlafen bin. Ja, also. Zu bekommen in meinem Leben, ja. Was was ich dann auch gar nicht böse meine oder schlimm finde oder so, aber das lockert einfach so in die Situation ein bisschen auf. Und und ich glaube, das ist ganz wichtig und auch in in schlimmen Phasen, das hört sich auch so blöd an, aber sich wirklich auch zwingen, äh lustige Situationen zu erleben und wenn's einfach nur wirklich eine eine lustige Serie anschauen ist oder so oder, keine Ahnung ich höre ja auch ganz viele Podcast irgendwie so ein paar wirklich. Einfach stupiden Humor zu hören, also sich nicht zu sehr in in diese in dieses Negative reindenken. Also auch wenn das schwierig ist und auch wenn du nicht da drüber lachen kannst, aber allein diese Stimmung zu transportieren und, wenn du nur genervt die die Augen verdrehst und und insgeheim vielleicht lagst oder gar nicht lachst aber dich trotzdem irgendwie damit umgeben. Ich glaube das ist ganz wichtig oder, keine Ahnung, wenn Beziehung so richtig schlecht geht und ich denke, oh Gott, jetzt habe ich heute Nacht wieder nur zwei Stunden geschlafen und dann fällt mir morgens irgendwie die Kaffeetasse runter, denke ich, ja war ja klar. Also, Dann aber nicht irgendwie heulen in der Küche zusammenzubrechen, sondern so ironisch zu denken, jo klar und was passiert als nächstes? Nichts, Telefon in den Kühlschrank. Also sich und auch den Schmerz nicht zu ernst zu nehmen oder die Situation, die man halt gerade hat, die nicht gut ist. Also dem nicht zu viel Raum geben. 
Wolfgang
01:16:24
Ja finde ich einen guten Tal total guten Vorschlag. Also bisschen Humor im Leben und nicht alles so ganz ganz ernst zu nehmen äh ja das ist eine gute Sache finde ich. 
Marlis
01:16:34
Kann ich nur bestätigen. 
Wolfgang
01:16:36
Males, haben wir noch irgendwas oder haben wir alles durch? 
Marlis
01:16:42
Ich glaube, wir haben alles, also wenn du nicht irgendwie noch eine konkrete Frage hast, wird mir jetzt so eigentlich auch gar nichts mehr ein. 
Wolfgang
01:16:48
Nee, also ich habe alles gefragt, was mich interessiert hat. Ähm ich fand's super interessant, das noch mal zu hören. Wir hatten uns ja da schon das ein oder andere Mal äh drüber unterhalten, aber das nochmal alles so zusammengefasst nochmal zu hören. Das fand ich super. Ähm wie gesagt, ich find's auch sehr inspirierend, wie man äh mit Galgenhumor so was äh ja durchsteht einfach und hinter sich lassen kann und äh weiter nach vorne blickt und ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft. Weiterhin viele viele humorvolle Momente. 
Marlis
01:17:20
Werde ich sicher haben. 
Wolfgang
01:17:21
Ja und ja, vielen Dank, dass du da warst und bis bald. 
Marlis
01:17:25
Sehr gerne, bis bald. Tschüss. 
Wolfgang
01:17:29
Das war das Gespräch mit Marlis. Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht. Ich freue mich, wenn ihr auch bei der nächsten Folge wieder mit dabei seid. Genauso freue ich mich aber auch über Feedback sehr gerne per E-Mail an Feedback at tausend Geschichten Punkt DE oder als Kommentar auf Instagram. Dort findet ihr den Podcast unter at 1000 Geschichten Podcast. Ach ja und falls ihr mir noch eine Bewertung bei Apple Podcasts oder sonst irgendwo geben wollt, dann wäre das auch cool. Bleibt gesund und tschüss bis zum nächsten Mal. 

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